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GLABRIOÄsthetische Medizin und Hautpflege für Männer

Lexikon · Klinik

Psoriasis vulgaris

Chronisch-entzündliche Hauterkrankung mit scharf begrenzten, schuppenden Plaques. Die deutsche S3-Leitlinie definiert Schweregrad über drei Werte zugleich, nicht über den Hautbefund allein.

Auch: Schuppenflechte · Plaque-Psoriasis

Was es ist

Eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung mit scharf begrenzten, geröteten, schuppenden Plaques — meist an Ellenbogen, Knien, Kopfhaut und im Kreuzbeinbereich, oft auch an Nägeln sichtbar (siehe Nägel als Zeichen und Nagelpilz oder Nagelpsoriasis). Für Deutschland ist seit dem 23.07.2025 eine neue S3-Leitlinie gültig, adaptiert von der europäischen EuroGuiDerm-Leitlinie.

Wie der Schweregrad bestimmt wird

Die Leitlinie misst nicht nur die Haut. Sie kombiniert drei Werte:

  • BSA (Body Surface Area) — der befallene Anteil der Körperoberfläche in Prozent
  • PASI (Psoriasis Area and Severity Index) — ein zusammengesetzter Wert aus Ausdehnung, Rötung, Infiltration und Schuppung
  • DLQI (Dermatology Life Quality Index) — ein patientenberichtetes Messinstrument für die Lebensqualität

Erst die Kombination ergibt die Einordnung: leicht ist eine Psoriasis nur, wenn BSA und PASI jeweils bei 10 oder darunter liegen und zugleich der DLQI bei 10 oder darunter liegt. Überschreitet einer der drei Werte die Schwelle, gilt sie als mittelschwer bis schwer — unabhängig davon, wie klein die betroffene Fläche rein optisch wirkt. Eine kleine, aber stark juckende oder sichtbare Stelle im Gesicht kann so schwerer eingestuft werden als eine große, aber kaum störende Fläche am Rumpf.

Die Therapieziele

Die Leitlinie benennt zwei Ziele als Zahl:

  • PASI 75 — eine Verbesserung des PASI-Werts um mindestens 75 Prozent gegenüber dem Ausgangsbefund — als Mindestziel der Therapie
  • PASI 90 beziehungsweise ein absoluter PASI unter 2 oder ein DLQI von 1 oder weniger — als das eigentlich anzustrebende Ziel

Ein Therapieerfolg wird also nicht als „Besserung”, sondern als Zahl definiert, gegen die sich jede Behandlung messen lassen muss.

Die Therapiestufen — im Überblick

Die Leitlinie ordnet die Behandlungsoptionen in aufsteigende Stufen:

  1. Topisch — Kortikosteroide, Vitamin-D-Analoga, Calcineurin-Inhibitoren
  2. Phototherapie — unter anderem Schmalband-UVB und PUVA
  3. Konventionelle Systemtherapie — darunter Methotrexat, Ciclosporin und Acitretin
  4. Biologika und zielgerichtete Substanzen — nach Wirkmechanismus unterschieden in TNF-alpha-, IL-17-, IL-12/23- und IL-23-Inhibitoren sowie neuere niedermolekulare Substanzen

Bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis empfiehlt die Leitlinie ausdrücklich die Einleitung einer systemischen Therapie — mit dem Zusatz, dass Wirksamkeit, Sicherheit, Begleiterkrankungen und individuelle Patientenfaktoren die Auswahl bestimmen sollen, nicht ein starres Schema.

Teilaktualisierung im Februar 2026

Die Leitlinie ist weiterhin Version 8 — eine eigenständige Version 8.1 existiert entgegen einer in der Redaktion offen gehaltenen Vermutung nicht. Im Februar 2026 erschienen aber im JDDG zwei als „Teilaktualisierung” bezeichnete, überarbeitete Fassungen von Teil 1 und Teil 2 derselben Leitlinie mit im Kern zwei Änderungsblöcken:

  • Teil 1 (Therapieempfehlungen): Bimekizumab und Deucravacitinib wurden neu in die Leitlinie aufgenommen, das Methotrexat-Kapitel wurde überarbeitet.
  • Teil 2 (besondere klinische Situationen und Komorbiditäten): Das Kapitel zum Tuberkulose-Screening wurde grundlegend überarbeitet (Interferon-Gamma-Release-Assay vor Biologika- oder Deucravacitinib-Therapie, Röntgen-Thorax nur noch bei erhöhter Risikoeinschätzung), ebenso die Empfehlungen zu Virushepatitis-Screening, zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (dort neu: Risankizumab und Guselkumab) sowie zu Malignomen in der Vorgeschichte und Diabetes mellitus als Begleiterkrankung.

Diese Änderungen betreffen ausschließlich die im nächsten Abschnitt bewusst ausgesparte Systemtherapie-Ebene — an der grundsätzlichen Einordnung von Schweregrad und Therapiestufen in diesem Eintrag ändern sie nichts.

Wirkstoffbewertungen zur Systemtherapie

Methotrexat, Ciclosporin, Acitretin, die Biologika und die neuen niedermolekularen Substanzen sind verschreibungspflichtige Systemtherapien mit eigenen Kontraindikationen, Laborkontrollen und Nebenwirkungsprofilen — eine seriöse Einordnung braucht einen eigenen, einzeln recherchierten Eintrag. Vierzehn stehen inzwischen zur Verfügung: die drei Wirkstoffe der konventionellen Systemtherapie — Methotrexat, Ciclosporin und Acitretin, das einzige der drei ohne immunsuppressiven Wirkmechanismus —, Bimekizumab und Deucravacitinib — die beiden Wirkstoffe, die die Februar-2026-Teilaktualisierung neu in die Leitlinie aufgenommen hat —, die drei übrigen zugelassenen IL-17-Hemmer neben Bimekizumab — Secukinumab, Ixekizumab und Brodalumab —, alle drei zugelassenen IL-23-Hemmer, Risankizumab, Guselkumab und Tildrakizumab, mit Ustekinumab der älteste IL-12/23-Hemmer dieser Gruppe, sowie zwei der vier TNF-alpha-Hemmer mit Psoriasis-Zulassung: Etanercept, der älteste TNF-alpha-Hemmer und zugleich der am längsten zugelassene Systemtherapie-Wirkstoff des gesamten Bestands, und Certolizumab Pegol, das einzige PEGylierte, Fc-freie Anti-TNF-Fragment dieser Gruppe. Zwei weitere TNF-alpha-Hemmer, Adalimumab und Infliximab, tragen in diesem Bestand bislang nur einen eigenen Eintrag zur Hidradenitis-suppurativa-Indikation — ihre zusätzliche Psoriasis-Zulassung mit eigenen Zulassungsstudien ordnet dieser Vergleichsartikel ein. Der zwölfte Eintrag ist Icotrokinra, das erste orale Peptid gegen den IL-23-Rezeptor, seit dem 18.09.2026 EU-zugelassen. Icotrokinra war in den USA bereits seit März 2026 zugelassen; zur Vorgeschichte dieser US-Zulassung: Icotrokinra: die erste orale IL-23-Tablette gegen Psoriasis. Die beiden jüngsten, dreizehnten und vierzehnten Einträge schließen die konventionelle Systemtherapie ab: Ciclosporin und Acitretin — beide bislang nur in der Übersicht dieses Eintrags genannt, nun mit eigener Auswertung ihrer jeweiligen Fachinformation. Dieser Lexikoneintrag selbst ordnet weiterhin nur ein, was Psoriasis ist und wie ihr Schweregrad gemessen wird.

Randnotiz zur Verwechslungsgefahr

Zwei topische US-Wirkstoffe ohne europäische Zulassung — Tapinarof und Roflumilast — sind unter anderem für Plaque-Psoriasis zugelassen. Auch Tazaroten trägt in den USA eine Psoriasis-Indikation. Und ein altes Reizmittel aus der Psoriasisbehandlung, Dithranol, wird heute vor allem off-label bei Alopecia areata eingesetzt. Keiner dieser drei Texte ersetzt eine Einordnung der eigentlichen Psoriasis-Systemtherapie — sie beschreiben jeweils nur einen einzelnen topischen Baustein.