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GLABRIOÄsthetische Medizin und Hautpflege für Männer
  • Beleglage:Zulassungsstand
  • Status:In der EU nicht zugelassen

Aus den USA

Vtama und Zoryve: zwei Wirkstoffklassen, die es hier nicht gibt

Zwei topische Wirkstoffe ohne Kortison sind in den USA seit Jahren zugelassen und haben in Europa keine zentrale Zulassung. Was sie sind und was das für die Einordnung bedeutet.

Von der GLABRIO-Redaktion3 Min. Lesezeit

Aktualisiert am 11. Oktober 2026. Quellenlage geprüft am 11. Oktober 2026.

Vier topische Retinoide im Vergleich zwischen Deutschland und den USAEine Tabelle mit vier Wirkstoffen und zwei Marktspalten. Tretinoin, Adapalen und Trifaroten sind in Deutschland zugelassen und verschreibungspflichtig. In den USA sind alle vier verschreibungspflichtig verfügbar; Adapalen ist dort zusätzlich rezeptfrei erhältlich. Für Tazaroten führt die Europäische Arzneimittel-Agentur keine EPAR-Seite und der Wirkstoff kommt im europäischen Therapiealgorithmus nicht vor — ein Hinweis, kein Nachweis.DeutschlandUSATretinoinverschreibungspflichtigzugelassenverschreibungspflichtigzusätzlich gegen feine FältchenAdapalenverschreibungspflichtigzugelassenauch rezeptfreiDifferin ist dort OTC gelistetTrifarotenverschreibungspflichtigzugelassenverschreibungspflichtigAkliefTazarotenkein EPAR bei der EMAnicht im europäischen AlgorithmusverschreibungspflichtigPsoriasis und AkneEin fehlender EPAR ist ein Hinweis, kein Nachweis: Trifaroten hat ebenfalls keinenund ist hier zugelassen. US-Status: Drugs@FDA, abgefragt am 25.08.2026.
Vier topische Retinoide, zwei Märkte — und die zwei Stellen, an denen sie deutlich auseinandergehen.Bei Tazaroten steht bewusst nicht „nicht zugelassen": Belegt ist nur, dass die EMA keine EPAR-Seite führt und der Wirkstoff im europäischen Algorithmus fehlt. Trifaroten hat ebenfalls keinen EPAR und ist hier zugelassen.Quelle: Drugs@FDA (openFDA), abgefragt 25.08.2026; deutsche Zulassungen siehe die jeweiligen Wirkstoffeinträge

Wer sich in den USA über Ekzeme oder Schuppenflechte informiert, stößt auf zwei Markennamen, die hierzulande niemand kennt. Beide stehen für etwas, das die topische Dermatologie lange gesucht hat: Wirkung ohne Kortison.

Vtama — Tapinarof

Zulassungsnummer NDA 215272, Inhaber Organon, Erstzulassung am 23. Mai 2022. Die amerikanische Fachinformation beschreibt die Wirkstoffklasse in einem Halbsatz, der es in sich hat:

VTAMA cream, 1% is an aryl hydrocarbon receptor agonist indicated for: the topical treatment of plaque psoriasis in adults; the topical treatment of atopic dermatitis in adults and pediatric patients 2 years of age and older.

Ein Agonist am Arylhydrocarbon-Rezeptor — ein Wirkprinzip, das in der topischen Dermatologie neu ist. Was Plaque-Psoriasis ist und wie ihr Schweregrad gemessen wird, steht unter Psoriasis vulgaris.

Die ausführliche Auswertung der US-Fachinformation mit Studienzahlen steht im Wirkstoff-Eintrag Tapinarof.

Zoryve — Roflumilast

Roflumilast kennt man in Europa seit Jahren, allerdings als Tablette gegen COPD. In den USA gibt es den Wirkstoff zusätzlich als Creme — ein topischer PDE-4-Hemmer, und zwar in drei Konzentrationen für drei verschiedene Anwendungen:

KonzentrationAnwendungsgebiet
0,3 %Plaque-Psoriasis, einschließlich intertriginöser Areale, ab 2 Jahren
0,15 %leichte bis mittelschwere atopische Dermatitis, ab 6 Jahren
0,05 %leichte bis mittelschwere atopische Dermatitis, 2 bis 5 Jahre

Der Zusatz „einschließlich intertriginöser Areale” ist dabei kein Detail: Genau dort — in Hautfalten, Achseln, Leisten — sind Kortisonpräparate wegen der dünnen Haut heikel.

Studienzahlen, Sicherheitsangaben und Wechselwirkungen der Creme: Roflumilast (topisch).

Der Zulassungsstand in Europa

Für beide Präparate existiert bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur keine EPAR-Seite (geprüft am 24.08.2026). Es gibt also keine zentrale EU-Zulassung.

Diese Formulierung ist bewusst eng: Sie sagt nichts über nationale Zulassungsverfahren einzelner Mitgliedstaaten aus, die es für Arzneimittel neben dem zentralen Weg gibt. Sie sagt nur, dass der Weg über die EMA nicht beschritten oder nicht abgeschlossen wurde. Wer wissen will, ob ein Präparat in Deutschland verkehrsfähig ist, muss die deutschen Register bemühen — die Abwesenheit einer EPAR-Seite ist ein Indiz, kein Beweis.

Warum das für Männerpflege relevant ist

Beide Wirkstoffe zielen auf chronisch-entzündliche Hauterkrankungen, nicht auf Ästhetik. Der Zusammenhang entsteht über eine Region, die in der Männerpflege regelmäßig Probleme macht: das Gesicht mit Bart und die Kopfhaut.

Ein seborrhoisches Ekzem an Nasenflügeln, Augenbrauen und im Bart ist ein klassischer Befund — und einer, bei dem die Dauertherapie mit Kortison an ihre Grenze stößt, weil das atrophogene Potenzial genau dort am meisten zählt. Zu den hier verfügbaren Alternativen: topische Glukokortikoide und Tacrolimus. Für Zoryve-Schaum bei seborrhoischem Ekzem (FDA, ab 9 Jahren) und die Studienlage zu Antimykotika und Kortison: Seborrhoisches Ekzem: was zwei Cochrane-Reviews belegen.

Die Einordnung

Neu und zugelassen ist nicht dasselbe wie besser. Für keinen der beiden Wirkstoffe existiert eine deutsche Leitlinienempfehlung, weil die Präparate hier nicht verfügbar sind — es gibt also auch keine Einordnung gegenüber dem, was Praxen hier verschreiben.

Wie man Zulassungsnachrichten überhaupt einordnet, ohne auf die Marketingsprache hereinzufallen, steht in Warum in den USA vieles erlaubt ist und in Abheilraten richtig lesen.

Ein weiteres kortisonfreies Topikum mit wechselvoller EU-Geschichte ist Crisaborol: Crisaborol: in den USA ein Ekzem-Topikum, in der EU zugelassen und wieder zurückgezogen.

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