- Beleglage:Studienlage
Kopfhaut und Gesicht
Seborrhoisches Ekzem: was zwei Cochrane-Reviews belegen — und was nicht
Schuppen und Rötung an Kopfhaut und Gesicht: Was Antimykotika und entzündungshemmende Cremes im Vergleich zu Placebo leisten, und welche Frage die Studien offen lassen.
Quellenlage geprüft am 4. Oktober 2026.
Schuppen und Rötung in Kopfhaut, Gesicht und Bart können ein seborrhoisches Ekzem sein. Die beiden Cochrane-Reviews, auf die dieser Text sich stützt, beschreiben es als chronische, entzündliche Hauterkrankung, die vor allem Kopfhaut, Gesicht und Körperfalten betrifft; Behandlungsoptionen seien Antimykotika, Kortison, Calcineurin-Hemmer, keratolytische Mittel und Phototherapie. Hier geht es um die ersten drei — und um die Frage, was die Studien tatsächlich zeigen.
Eine deutsche Leitlinie zur Behandlung haben wir in diesem Lauf nicht gefunden; das ist kein Beleg dafür, dass es keine gibt. Die Einordnung stützt sich deshalb auf die internationalen Übersichtsarbeiten. Gelesen wurden die Zusammenfassungen (Abstracts) der Reviews über PubMed, nicht die Volltexte.
Antimykotika: Ketoconazol und Ciclopirox
Der Cochrane-Review von 2015 wertete 51 randomisierte Studien mit 9052 Teilnehmenden aus. Davon hatten 45 Studien Ergebnisse nach höchstens fünf Wochen erfasst, nur sechs über einen längeren Zeitraum. Bei 24 Studien sahen die Autorinnen und Autoren einen möglichen Interessenkonflikt, etwa Finanzierung durch Hersteller.
Die Kernzahlen:
| Vergleich | Ergebnis | Evidenzqualität (laut Review) |
|---|---|---|
| Ketoconazol 2 % gegen Placebo, vier Wochen | 31 % geringeres Risiko, nicht abgeheilt zu sein (RR 0,69; 95-%-KI 0,59–0,81; 8 Studien) | niedrig |
| Ketoconazol gegen Kortison | Abheilung ähnlich (RR 1,17; 0,95–1,44; 6 Studien); Nebenwirkungen 44 % seltener (RR 0,56; 0,32–0,96; 8 Studien) | niedrig bzw. moderat |
| Ketoconazol gegen Ciclopirox | ähnlich (RR 1,09; 0,95–1,26; 3 Studien) | niedrig |
| Ciclopirox 1 % gegen Placebo, vier Wochen | geringeres Risiko, nicht abgeheilt zu sein (RR 0,79; 0,67–0,94; 8 Studien) | moderat |
Zwei Einschränkungen nennt der Review selbst. Bei Ketoconazol gegen Placebo war die Aussage zu Nebenwirkungen wegen sehr niedriger Evidenzqualität unsicher, und die Studien unterschieden sich stark untereinander (I² = 74 %). Und: In der Placebogruppe war im Median bei 69 % die Haut nach vier Wochen nicht abgeheilt — die Zahl zeigt, wie viel der Vergleichswert ausmacht. Wie man ein relatives Risiko liest, erklärt der Eintrag Relatives Risiko; zu den Intervallen Konfidenzintervall, zur Heterogenität Meta-Analyse.
Das Fazit der Autorinnen und Autoren: Ketoconazol und Ciclopirox sind wirksamer als Placebo; ob eines der Mittel innerhalb der Klasse besser ist, lasse sich nicht sagen. Sehr wenige Studien betrachteten einen längeren Zeitraum als vier Wochen. Die Wirkung auf die Lebensqualität sei unbekannt — keine der Studien hatte sie erfasst.
Kortison, Calcineurin-Hemmer, Lithium
Der Cochrane-Review von 2014 (36 Studien, 2706 Teilnehmende; 31 prüften Kortison, sieben Calcineurin-Hemmer, drei Lithiumsalze) betrachtete Erwachsene und Jugendliche über 16 Jahre mit seborrhoischem Ekzem an Kopfhaut oder Gesicht. Das Risiko für Verzerrungen stufte er bei den meisten Studien als unklar ein, weil die Methoden unklar berichtet waren.
- Kortison gegen Placebo: Kurzfristig (bis vier Wochen) häufiger vollständige Abheilung (RR 3,76; 95-%-KI 1,22–11,56; drei Studien, 313 Teilnehmende), ebenso in einer Studie über zwölf Wochen. Die Nebenwirkungen unterschieden sich in diesen Studien nicht.
- Kortison gegen Azole: vergleichbare Abheilung (RR 1,11; 0,94–1,32; acht Studien, 464 Teilnehmende; moderate Evidenzqualität) und vergleichbare Nebenwirkungen kurzfristig, bei Kortison aber weniger Rötung und Schuppung.
- Kortison gegen Calcineurin-Hemmer: kein erkennbarer Unterschied bei der Abheilung kurzfristig (zwei Studien, 60 Teilnehmende; niedrige Evidenzqualität); unerwünschte Ereignisse traten unter Kortison seltener auf (RR 0,22; 0,05–0,89).
- Schwache gegen starke Kortisonklassen: in den untersuchten Ergebnissen vergleichbar, auch bei den Nebenwirkungen.
- Lithiumsalze: In je einer Studie häufiger Abheilung als unter Placebo und als unter Azol (beim Vergleich mit Azol: niedrige Evidenzqualität). Der Review nennt das als Befund der Studien.
Das Fazit der Autoren: Topisches Kortison ist bei seborrhoischem Ekzem von Gesicht und Kopfhaut wirksam, schwache und starke Klassen unterscheiden sich kurzfristig nicht. Die meisten Studien waren klein und dauerten höchstens vier Wochen. Das ist der wichtige Punkt für ein chronisches Leiden: Für die Dauer- oder Intervallanwendung gibt es laut dem begleitenden Kurzbericht in JAMA Dermatology keine Belege zur Wirkung. Zu Hautveränderungen bei langer Anwendung im Gesicht macht die uns vorliegende Zusammenfassung keine Aussage; dazu der Eintrag atrophogenes Potenzial und die Seite zu topischen Glukokortikoiden.
Was die Studien nicht beantworten
- Wie lange man behandeln soll. Beide Reviews betonen, dass Langzeitdaten fehlen, obwohl das Ekzem chronisch ist.
- Wie sich die Behandlung auf die Lebensqualität auswirkt. Keine der Antimykotika-Studien hat sie gemessen.
- Welche Mittel für den Bart und das Gesicht von Männern besonders geeignet sind. Die gelesenen Zusammenfassungen weisen keine geschlechtsspezifischen Ergebnisse aus; eine Aussage speziell für Männer lässt sich daraus nicht ableiten.
- Wie die Mittel in Deutschland erhältlich sind (frei oder verschreibungs pflichtig, in welcher Stärke). Das haben wir in diesem Lauf nicht geprüft und nennen deshalb keine Einzelheiten.
- Ob es neuere Fassungen der beiden Reviews gibt. Die Recherche der Antimykotika-Fassung endet im Dezember 2014, die der Kortison-Fassung im September 2013. Wir haben nicht geprüft, ob seither aktualisierte Fassungen erschienen sind.
Ein Blick in die USA: Roflumilast-Schaum
In den USA ist ein Wirkstoff ohne Kortison für diese Diagnose zugelassen. Die FDA-Fachinformation (Fassung vom 02.09.2026) führt Zoryve-Schaum 0,3 % (Roflumilast, ein PDE-4-Hemmer) für die Behandlung des seborrhoischen Ekzems bei Erwachsenen und Kindern ab 9 Jahren, außerdem für die Plaque-Psoriasis von Kopfhaut und Körper ab 12 Jahren. Angewendet wird er einmal täglich auf trockene betroffene Stellen an Körper und/oder Kopfhaut. Kontraindiziert ist er bei mäßiger bis schwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh B oder C). Die Treibmittel sind brennbar: Feuer, offene Flamme und Rauchen sind während und unmittelbar nach dem Auftragen zu meiden.
Die Zulassung stützt sich auf zwei randomisierte, placebokontrollierte Studien (STRATUM und Studie 203) mit zusammen 683 Teilnehmenden und mäßigem bis schwerem Ekzem. Nach acht Wochen erreichten in STRATUM 79,5 % unter Roflumilast das Ziel „erscheinungsfrei oder fast erscheinungsfrei” mit Besserung um zwei Stufen gegenüber 58,0 % unter dem Schaum ohne Wirkstoff (Differenz 20,6 Prozentpunkte; 95-%-KI 11,2–30,0); in Studie 203 waren es 73,1 % gegenüber 40,8 % (Differenz 33,8; 20,3–47,4). Wichtig für die Einordnung: Auch unter dem wirkstofffreien Schaum erreichten 58,0 % bzw. 40,8 % dieses Ziel. Häufigste Nebenwirkungen (≥ 1 %): Nasopharyngitis, Übelkeit, Kopfschmerz. Die Studien verglichen nicht mit Ketoconazol oder Kortison; über den Vergleich mit diesen Mitteln sagt das Label nichts.
Zum Zulassungsstand in der EU haben wir für den Schaum nichts neu geprüft. Der Hintergrund zu topischem Roflumilast und warum solche Zulassungsnachrichten mit Vorsicht zu lesen sind, steht in Vtama und Zoryve: zwei Wirkstoffklassen, die es hier nicht gibt.
Einordnung
- Für Ketoconazol 2 %, Ciclopirox 1 % und Kortison gibt es kurzfristig (vier Wochen) Belege, dass sie besser sind als Placebo; zwischen Azolen und Kortison fanden die Reviews kurzfristig keinen klaren Unterschied bei der Abheilung.
- Die Evidenz ist überwiegend von niedriger bis moderater Qualität und betrifft kurze Behandlungszeiträume. Das Ekzem selbst ist chronisch.
- Schuppen und Rötung können verschiedene Ursachen haben. Zur Abgrenzung siehe Die Kopfhaut, die niemand pflegt und in Rosazea beim Mann.
Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Eine ärztliche Prüfung des Textes hat nicht stattgefunden.