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GLABRIOÄsthetische Medizin und Hautpflege für Männer
  • Beleglage:Zulassungsstand
  • Status:In Deutschland zugelassen

Neurodermitis

Abrocitinib (Cibinqo): eine JAK-Tablette gegen Neurodermitis und was ihr Etikett verlangt

Cibinqo ist ein oraler JAK1-Hemmer gegen mittelschwere bis schwere atopische Dermatitis ab zwölf Jahren. Zulassungstexte aus EU und USA, Studienzahlen und die Warnhinweise im Vergleich.

Von der GLABRIO-Redaktion7 Min. Lesezeit

Quellenlage geprüft am 8. Oktober 2026.

Neben den Antikörpern Dupilumab, Tralokinumab und Nemolizumab gibt es gegen die atopische Dermatitis (Neurodermitis) auch eine Tablette: Abrocitinib, Handelsname Cibinqo. Sie gehört zu den Janus-Kinase-Hemmern, deren Klassenwarnung die Seite bereits im Rote-Hand-Brief zu Ritlecitinib beschrieben hat. Dieser Artikel liest den EU- und den US-Zulassungstext nebeneinander. Er ist keine Therapieempfehlung.

Was zugelassen ist

Die EMA nennt als Anwendung die mittelschwere bis schwere atopische Dermatitis bei Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren, die Kandidaten für eine systemische Therapie sind. Die EU-Zulassung wurde am 09.12.2021 erteilt; die Ausweitung auf Jugendliche folgte laut EMA-Bewertungsbericht mit Kommissionsentscheidung vom 21.03.2024. Das Mittel ist verschreibungspflichtig; die Behandlung soll von einer Ärztin oder einem Arzt begonnen und überwacht werden, die oder der in der Behandlung der atopischen Dermatitis erfahren ist.

Der US-Text ist enger gefasst:

CIBINQO is indicated for the treatment of adults and pediatric patients 12 years of age and older with refractory, moderate-to-severe atopic dermatitis whose disease is not adequately controlled with other systemic drug products, including biologics, or when use of those therapies is inadvisable.

In den USA verlangt der Text also, dass andere systemische Mittel, auch Biologika, nicht ausreichend wirken oder nicht ratsam sind. In der EU steht das nicht im Indikationssatz der Übersichtsseite; dort genügt, dass eine systemische Therapie in Betracht kommt. Was “Kandidat für eine systemische Therapie” im Einzelnen voraussetzt, steht in dem von uns gelesenen Material nicht. Die Kombination mit anderen JAK-Hemmern, Biologika oder anderen Immunsuppressiva wird laut US-Etikett nicht empfohlen.

Wie es wirkt

Abrocitinib hemmt laut US-Etikett das Enzym JAK1 selektiv gegenüber JAK2 (um den Faktor 28), JAK3 (mehr als 340) und TYK2 (43), gemessen im zellfreien Enzymtest. Ob die Hemmung bestimmter JAK-Enzyme für die Wirksamkeit entscheidend ist, sei derzeit nicht bekannt. Die EMA beschreibt vereinfacht: Die Hemmung dieser Enzyme verringere Juckreiz und Entzündung der Haut.

Dosierung und Voruntersuchungen laut US-Etikett

  • Empfohlen sind 100 mg einmal täglich. Spricht die Person darauf nicht an, kann auf 200 mg einmal täglich erhöht werden; ohne ausreichendes Ansprechen unter 200 mg soll abgesetzt werden. Es soll die niedrigste wirksame Dosis verwendet werden. Mit oder ohne Kortison-Creme.
  • Bei mäßiger Nierenschwäche und bei Personen mit langsamem CYP2C19-Abbau sind 50 mg täglich vorgesehen (bei fehlendem Ansprechen 100 mg).
  • Vor Beginn: Test auf Tuberkulose, Screening auf Virushepatitis, großes Blutbild. Der Beginn wird nicht empfohlen bei aktiver Tuberkulose, aktiver Hepatitis B oder C, Thrombozyten unter 150.000/mm³, Lymphozyten unter 500/mm³, neutrophilen Granulozyten unter 1.000/mm³ oder Hämoglobin unter 8 g/dl. Impfungen, auch gegen Gürtelrose, sollen vorher abgeschlossen sein.

Die EMA nennt für die EU, die Behandlung könne bei bestimmten Nebenwirkungen, darunter schweren Infektionen, unterbrochen werden und könne außerdem beendet werden, wenn sich die Beschwerden nach 24 Wochen nicht gebessert haben. Die EU-Dosierung im Detail haben wir nicht ausgewertet.

Was die Zulassungsstudien zeigen

Das US-Etikett fasst vier randomisierte, placebokontrollierte Studien mit zusammen 1.900 Personen zusammen. Eingeschlossen waren mittelschwere bis schwere Fälle (IGA 3 oder 4, EASI mindestens 16, mindestens 10 % der Körperoberfläche betroffen). Das mittlere Alter in den ersten drei Studien lag bei 36 Jahren, 53 % der Teilnehmenden waren Männer. Ausgewertet wurde in Woche 12 in den beiden Monotherapie-Studien, die Personen ab zwölf Jahren einschlossen:

Woche 12, MonotherapieStudie 1: 200 mg / 100 mg / PlaceboStudie 2: 200 mg / 100 mg / Placebo
IGA 0 oder 1 (erscheinungsfrei oder fast)44 % / 24 % / 8 %38 % / 28 % / 9 %
Unterschied zu Placebo (95-%-KI), 200 mg36 % (26 bis 46)29 % (19 bis 39)
EASI-75 (Hautbefund mindestens 75 % besser)62 % / 40 % / 12 %61 % / 44 % / 10 %
Unterschied zu Placebo (95-%-KI), 200 mg51 % (40 bis 61)50 % (40 bis 61)

In der dritten Studie, bei der alle Teilnehmenden zusätzlich Kortison-Cremes anwendeten (Erwachsene, Woche 12), erreichten IGA 0 oder 1: 47 % unter 200 mg, 36 % unter 100 mg und 14 % unter Placebo; EASI-75: 68 %, 58 % und 27 %. Die Studie enthielt auch einen Dupilumab-Arm; ein Vergleich Abrocitinib gegen Dupilumab ist daraus in den von uns gelesenen Abschnitten nicht ausgewertet.

Die EMA-Seite nennt dieselben Größenordnungen (44 % gegenüber 8 % und 38 % gegenüber 9 % mit klarer oder fast klarer Haut unter 200 mg gegenüber Placebo). Bei den 124 Jugendlichen in den beiden Monotherapie-Studien nennt die EMA 22 % (100 mg) und 31 % (200 mg) gegenüber 9 % unter Placebo.

Die Unterschiede zu Placebo sind statistisch abgesichert, die Konfidenzintervalle schließen die Null nicht ein; zur Lesart siehe Konfidenzintervall. Unter 200 mg erreichte in den Monotherapie-Studien weniger als die Hälfte klare oder fast klare Haut.

Warnhinweise

Das US-Etikett trägt einen Boxed Warning (die schärfste Warnform der FDA) zu:

  • schweren Infektionen einschließlich Tuberkulose; Test auf latente Tuberkulose vor und während der Therapie,
  • erhöhter Gesamtsterblichkeit, auch plötzlichem Herztod, unter einem anderen JAK-Hemmer gegenüber TNF-Hemmern bei Rheumapatienten (Cibinqo ist dafür nicht zugelassen),
  • bösartigen Erkrankungen, darunter Lymphome und Lungenkrebs,
  • schweren kardiovaskulären Ereignissen (MACE),
  • Thrombosen einschließlich Lungenembolie.

Die Warnhinweise verweisen bei Sterblichkeit, Krebs, MACE und Thrombosen auf Daten eines anderen JAK-Hemmers bei rheumatoider Arthritis; für Cibinqo selbst heißt es, dass Malignome, MACE und Thrombosen aufgetreten seien. Hinzu kommen Warnhinweise zu Hypoglykämie bei Diabetes, zu Laborveränderungen (Blutplättchen, Lymphozyten, Blutfette) und zu Lebendimpfstoffen. Gegenanzeige im US-Etikett: antithrombozytäre Mittel außer niedrig dosiertem Aspirin (bis 81 mg täglich) in den ersten drei Monaten.

Die EMA nennt als Gegenanzeigen eine schwere generalisierte Infektion einschließlich Tuberkulose, schwere Leberfunktionsstörung sowie Schwangerschaft und Stillzeit; Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung verhüten. Die häufigste Nebenwirkung ist Übelkeit (mehr als 1 von 10). Häufig sind Kopfschmerz, Akne, Herpes simplex, erhöhte Kreatinphosphokinase, Erbrechen, Schwindel und Oberbauchschmerz; die häufigste schwere Nebenwirkung ist eine Infektion (bis 1 von 100).

Das US-Etikett nennt als häufigste Nebenwirkungen unter 100 mg unter anderem Nasopharyngitis, Übelkeit, Kopfschmerz und Herpes simplex. Cibinqo gehört zu den fünf JAK-Hemmern, die im Februar 2023 Gegenstand eines Rote-Hand-Briefs waren; der Zusammenhang ist im Artikel Rote-Hand-Brief zu Ritlecitinib beschrieben.

Jugendliche

Das US-Etikett nennt Wirksamkeit und Sicherheit ab zwölf Jahren als belegt (124 Jugendliche in zwei Monotherapie-Studien, 284 in einer Studie mit Kortison-Creme) und das Ansprechen als vergleichbar mit dem bei Erwachsenen. Es weist aber auf Tierversuche an jungen Ratten hin: Es traten Veränderungen der Knochenentwicklung auf, teils nicht rückbildungsfähig. Die EMA schreibt dazu, Laborstudien und Langzeitdaten bei Jugendlichen zeigten kein Risiko für Knochenwachstum und -entwicklung. Eine aktive Überwachungsstudie zu Wachstum und Entwicklung bei Jugendlichen ist laut EMA-Seite als Studie nach der Zulassung aufgeführt.

Neue EMA-Dokumente vom Oktober 2026

Auf der EMA-Seite stehen seit 06. und 07.10.2026 zwei weitere Bewertungsberichte. Wir haben die Zusammenfassungen und Schlussfolgerungen beider gelesen: Sie betreffen Beobachtungsstudien an US-Abrechnungsdaten (Dosierungsmuster; Profil behandelter Erwachsener und Jugendlicher), die der Zulassungsinhaber nach Artikel 46 der Pädiatrieverordnung eingereicht hat. Nach Einschätzung der EMA ergeben sich daraus keine neuen Sicherheits- oder Wirksamkeitsaussagen, und eine Änderung der Zulassung oder der Fachinformation sei nicht erforderlich. Eine Sicherheitsmitteilung ist das nicht.

Zur Einordnung

Dieselbe Erkrankung, mehrere Wirkstoffe mit unterschiedlichen Zugangsbedingungen: In den USA muss ein anderes systemisches Mittel, auch ein Biologikum, nicht ausgereicht haben oder nicht ratsam sein; in der EU genügt laut Übersichtsseite, dass eine systemische Therapie in Betracht kommt. Wie ein Zulassungstext die Behandlungsreihenfolge festschreibt, zeigt am Beispiel Dupilumab Dupilumab: was der Zulassungstext über das Ekzem verrät.

Studienzahlen, Sicherheitshinweise und Dosierung in Kurzform stehen im Wirkstoff-Eintrag Abrocitinib.

Was offen bleibt

  • EU-Fachinformation im Volltext und EU-Dosierung: nicht ausgewertet.
  • Deutsche Leitlinie zur Neurodermitis, G-BA-Bewertung, Erstattung, Preis: nicht geprüft.
  • Direkter Vergleich mit Dupilumab, Tralokinumab oder Nemolizumab: nicht ausgewertet.
  • Langzeitdaten über die in den Studien erfassten Zeiträume hinaus: nicht vorhanden in den gelesenen Quellen.

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