- Beleglage:Zulassungsstand
- Status:In Deutschland zugelassen
Handekzem
Delgocitinib (Anzupgo): eine JAK-Hemmer-Creme für das chronische Handekzem
Anzupgo ist in der EU seit 2024 und in den USA zugelassen: eine JAK-Hemmer-Creme für Erwachsene mit mittelschwerem bis schwerem chronischem Handekzem. Was die Zulassungstexte und Studien sagen.
Aktualisiert am 15. Oktober 2026. Quellenlage geprüft am 8. Oktober 2026.
Das chronische Handekzem gilt als eine der häufigsten Berufsdermatosen; die Seite beschreibt es unter Handekzem und Handekzem-Subtypen. Seit 2024 gibt es dafür ein Präparat, das ausdrücklich für diese Diagnose zugelassen ist: Anzupgo mit dem Wirkstoff Delgocitinib, eine Creme. Dieser Artikel liest den EU- und den US-Zulassungstext nebeneinander. Er ist keine Therapieempfehlung.
Was zugelassen ist
Die EMA beschreibt die Anwendung bei mittelschwerem bis schwerem chronischem Handekzem bei Erwachsenen, die Kortison-Cremes nicht anwenden können oder bei denen diese nicht ausreichend wirken. Die EU-Zulassung wurde am 19.09.2024 erteilt, Zulassungsinhaber ist LEO Pharma. Das Mittel steht laut EMA unter zusätzlicher Überwachung (“additional monitoring”) und ist verschreibungspflichtig; die Behandlung soll von einer Ärztin oder einem Arzt begonnen und überwacht werden, die oder der in Diagnose und Behandlung des chronischen Handekzems erfahren ist.
Der US-Text ist fast gleichlautend:
ANZUPGO is indicated for the topical treatment of moderate to severe chronic hand eczema (CHE) in adults who have had an inadequate response to, or for whom topical corticosteroids are not advisable.
Wie bei den Antikörpern gegen die Neurodermitis, etwa Dupilumab, schreibt der Text eine Reihenfolge fest: Erst kommt die Kortison-Creme, und nur wenn sie nicht reicht oder nicht infrage kommt, kommt Delgocitinib in Betracht. Das US-Etikett nennt zudem eine Einschränkung: Die Kombination mit anderen JAK-Hemmern oder starken Immunsuppressiva wird nicht empfohlen.
Wie es wirkt
Delgocitinib hemmt laut US-Etikett die Janus-Kinasen JAK1, JAK2, JAK3 und die Tyrosinkinase 2 (TYK2). Die EMA beschreibt, diese Enzyme spielten eine wichtige Rolle bei der Entzündung im chronischen Handekzem. Das US-Etikett fügt hinzu: Der genaue Wirkmechanismus bei dieser Erkrankung sei derzeit nicht bekannt.
Zur Substanzklasse insgesamt, auch zu ihrer Bewertung bei Haarausfall, siehe Topische JAK-Inhibitoren.
Anwendung
- USA: Zweimal täglich eine dünne Schicht auf die betroffenen Stellen nur an Händen und Handgelenken. Nicht mehr als 30 Gramm in zwei Wochen und nicht mehr als 60 Gramm im Monat. Nur zur Anwendung auf der Haut, nicht an Augen, Mund oder Schleimhäuten. Vor Beginn sollen notwendige Impfungen, auch gegen Gürtelrose, nach den geltenden Impfempfehlungen abgeschlossen sein.
- EU: Zweimal täglich dünn auf die betroffene Haut von Händen und Handgelenken. Die Behandlung wird fortgesetzt, bis die Beschwerden besser werden oder verschwinden, danach kann sie beendet und bei erneuten Beschwerden wieder aufgenommen werden. Bessert sich nach zwölf Wochen durchgehender Behandlung nichts, soll sie beendet werden.
Was die Zulassungsstudien zeigen
Das US-Etikett beschreibt zwei randomisierte, doppelblinde, vehikelkontrollierte Studien über 16 Wochen (TRIAL 1 und TRIAL 2) mit zusammen 960 Erwachsenen. Alle hatten ein mittelschweres oder schweres Handekzem (IGA-CHE 3 oder 4), bei 28 % war es schwer. Alle hatten zuvor nicht ausreichend auf Kortison-Cremes angesprochen oder diese waren nicht ratsam. Das mittlere Alter lag bei 44,1 Jahren, 64 % der Teilnehmenden waren Frauen, 90 % weiß. Der IGA-CHE ist die ärztliche Gesamtbeurteilung auf einer Skala von 0 (erscheinungsfrei) bis 4 (schwer). Behandlungserfolg hieß: 0 oder 1 und mindestens zwei Punkte Besserung gegenüber dem Beginn.
| Woche 16 | TRIAL 1: Delgocitinib / Vehikel | TRIAL 2: Delgocitinib / Vehikel |
|---|---|---|
| IGA-CHE-Erfolg | 20 % / 10 % | 29 % / 7 % |
| Unterschied (95-%-KI) | 10 % (4 bis 16) | 22 % (16 bis 29) |
| Juckreiz um mindestens 4 Punkte gebessert | 47 % / 23 % | 47 % / 20 % |
| Unterschied (95-%-KI) | 24 % (16 bis 33) | 27 % (19 bis 36) |
| Schmerz um mindestens 4 Punkte gebessert | 49 % / 28 % | 49 % / 23 % |
| Unterschied (95-%-KI) | 22 % (12 bis 31) | 26 % (17 bis 35) |
Juckreiz und Schmerz wurden auf einer Skala von 0 bis 10 erfasst; ausgewertet wurde, wer sich um mindestens vier Punkte verbessert hatte. Die EMA nennt für den Behandlungserfolg dieselben Größenordnungen (rund 20 % gegenüber rund 10 % in der ersten, rund 29 % gegenüber rund 7 % in der zweiten Studie).
Das heißt in Zahlen: Nach 16 Wochen hatten in der ersten Studie 80 %, in der zweiten 71 % der mit Delgocitinib Behandelten den definierten Erfolg nicht erreicht. Bei Juckreiz und Schmerz erreichten jeweils rund 47 bis 49 % die Besserung um mindestens vier Punkte, unter Vehikel waren es 20 bis 28 %. Zur Lesart der Intervalle siehe Konfidenzintervall.
Nach den Angaben im Etikett waren die Handekzem-Formen in den Studien gemischt: atopisch 35,9 %, hyperkeratotisch 21,5 %, irritativ 19,6 %, allergisch 13,9 %, vesikulär 9,1 %; 28 % hatten mehr als eine Form. Ergebnisse getrennt nach Subtyp oder nach Geschlecht stehen in den von uns gelesenen Abschnitten nicht.
In einer offenen Verlängerungsstudie (TRIAL 3) wurden 801 Personen bis zu 36 weitere Wochen behandelt; 198 erhielten die Behandlung durchgehend 52 Wochen.
Nebenwirkungen und Warnhinweise
Das US-Etikett nennt als Nebenwirkungen, die bei höchstens 1 % der Behandelten auftraten: Schmerz, Missempfindungen, Juckreiz und Rötung an der Anwendungsstelle, bakterielle Hautinfektionen (darunter Entzündung am Finger und Nagelfalz) sowie Leukopenie und Neutropenie. Die EMA beschreibt Hautreaktionen an der Anwendungsstelle wie Juckreiz, Rötung, Schmerz und Brennen als häufigste Nebenwirkungen und die Nebenwirkungen insgesamt als meist mild und beherrschbar.
Die Warnhinweise im US-Etikett:
- Infektionen: Delgocitinib könne das Infektionsrisiko erhöhen. Bei einer Person trat ein Eczema herpeticum auf, bei zwei eine Gürtelrose. Bei aktiver oder schwerer Infektion nicht anwenden.
- Nicht-melanozytärer Hautkrebs, darunter Basalzellkarzinome, wurde bei Behandelten berichtet; regelmäßige Hautuntersuchungen werden empfohlen, besonders bei Risikofaktoren.
- Lebendimpfstoffe sollen unmittelbar vor, während und unmittelbar nach der Behandlung vermieden werden.
- Klassenhinweis zur JAK-Hemmung: Bei Rheumapatienten waren unter einem anderen JAK-Hemmer Sterblichkeit, Herz-Kreislauf-Ereignisse, Thrombosen und bestimmte Krebsarten häufiger als unter TNF-Hemmern. Ob das Mittel mit diesen Ereignissen zusammenhängen kann, sei nicht bekannt. Zudem können orale und topische JAK-Hemmer die Blutfette erhöhen. Dieser Abschnitt wurde laut Etikett im Juni 2026 geändert.
Ein Boxed Warning enthält die abgerufene Fassung nicht; Gegenanzeigen führt sie keine auf. Zu Schwangerschaft heißt es, die Datenlage reiche nicht für eine Risikobewertung. Für Kinder und Jugendliche sind Sicherheit und Wirksamkeit nicht belegt.
Einordnung zur deutschen Leitlinie
Die von uns gelesene S2k-Leitlinie zum Handekzem trägt den Stand 2023 und stammt damit aus der Zeit vor der EU-Zulassung vom 19.09.2024. Welchen Platz Delgocitinib in einer künftigen Fassung einnehmen wird, lässt sich daraus nicht ableiten, und wir haben dazu keine Aussage gefunden. Wer die Stufen davor einordnen will, findet sie unter Handekzem, in der Basistherapie Handekzem: Basistherapie und zur Praxis im Beruf in Handekzem im Handwerk.
Was offen bleibt
- EU-Fachinformation im Volltext: nicht ausgewertet; die EU-Angaben stammen von der EMA-Übersichtsseite.
- Aufnahme in die deutsche Leitlinie, G-BA-Bewertung, Erstattung und Preis: nicht geprüft.
- Direkter Vergleich mit Kortison-Creme, Alitretinoin oder Lichttherapie: Die Studien sind vehikelkontrolliert; ein Vergleich liegt in den gelesenen Quellen nicht vor.
- Langzeitdaten über 52 Wochen hinaus: nicht vorhanden in den gelesenen Quellen.
- Rezidivraten nach Absetzen: nicht belegt.
Die Zulassungsdaten in Kurzform, nach Wirkstoff geordnet: Delgocitinib.