- Beleglage:Zulassungsstand
- Status:In Deutschland zugelassen
Aus den USA
Tralokinumab: zwei Zulassungstexte für denselben Antikörper gegen Neurodermitis
Adbry in den USA, Adtralza in der EU: ein Antikörper gegen Interleukin-13 bei mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis. Die Zulassungstexte verlangen Verschiedenes, bevor er infrage kommt.
Quellenlage geprüft am 7. Oktober 2026.
Neben Dupilumab und Nemolizumab ist ein dritter Antikörper gegen die atopische Dermatitis zugelassen: Tralokinumab. Er setzt an einem eigenen Botenstoff an, Interleukin-13. Dieser Artikel liest die US-Fachinformation und die EMA-Angaben nebeneinander. Er ist keine Therapieempfehlung.
Was die US-Fachinformation sagt
ADBRY is indicated for the treatment of moderate-to-severe atopic dermatitis in adults and pediatric patients 12 years of age and older whose disease is not adequately controlled with topical prescription therapies or when those therapies are not advisable. ADBRY can be used with or without topical corticosteroids.
Zur Wirkweise: Tralokinumab-ldrm ist ein humaner IgG4-Antikörper, der Interleukin-13 bindet und dessen Bindung an die Rezeptoruntereinheiten IL-13Rα1 und IL-13Rα2 hemmt. IL-13 sei ein natürlich vorkommender Botenstoff der Typ-2-Immunantwort.
Was die EMA sagt
Auf der EMA-Seite lautet die Indikation:
Adtralza is indicated for the treatment of moderate to severe atopic dermatitis in adult and adolescent patients 12 years and older who are candidates for systemic therapy.
Die EU-Zulassung wurde am 17.06.2021 erteilt; Zulassungsinhaber ist LEO Pharma. Die EMA-Übersichtsseite beschreibt den Einsatz zudem für Patientinnen und Patienten, bei denen eine Behandlung direkt auf der Haut nicht angewendet werden kann oder nicht ausreicht.
Zwei Eintrittsbedingungen
Beide Texte verlangen mehr als einen Schweregrad:
- USA: Die Erkrankung ist unter verschreibungspflichtigen Topika nicht ausreichend kontrolliert oder diese sind nicht ratsam.
- EU: Die Person kommt für eine systemische Therapie in Betracht.
Die Formulierungen sind nicht identisch. Was „Kandidat für eine systemische Therapie” im Einzelnen voraussetzt, steht in dem von uns gelesenen Material nicht. Eine deutsche Leitlinie und Erstattungsvorgaben haben wir dazu nicht ausgewertet.
Dosierung laut US-Label
Die Fachinformation nennt für Erwachsene eine Anfangsdosis von 600 mg (vier Injektionen zu 150 mg oder zwei zu 300 mg), danach 300 mg alle zwei Wochen. Für Jugendliche ab zwölf Jahren sind es 300 mg zu Beginn und danach 150 mg alle zwei Wochen. Für Erwachsene unter 100 kg, deren Haut nach 16 Wochen klar oder fast klar ist, könne eine Gabe von 300 mg alle vier Wochen erwogen werden. Der Autoinjektor ist nur für Erwachsene vorgesehen.
Zur EU-Gabe nennt die EMA-Seite als erste Dosis vier Injektionen zu 150 mg, danach zwei Injektionen zu 150 mg alle zwei Wochen.
Vor Beginn sollen laut US-Label alle altersgemäß empfohlenen Impfungen abgeschlossen sein.
Was die Zulassungsstudien zeigen
Das US-Label beschreibt drei randomisierte, placebokontrollierte Studien (ECZTRA 1, 2 und 3) mit zusammen 1.934 Erwachsenen, deren Erkrankung unter topischer Therapie nicht ausreichend kontrolliert war. Eingeschlossen waren Personen mit IGA 3 oder 4, einem EASI von mindestens 16 und mindestens 10 % betroffener Körperoberfläche. Ausgewertet wurde in Woche 16:
| ECZTRA 1 (Monotherapie) | ECZTRA 2 (Monotherapie) | ECZTRA 3 (mit Kortison-Creme) | |
|---|---|---|---|
| IGA 0 oder 1, Tralokinumab / Placebo | 16 % / 7 % | 21 % / 9 % | 38 % / 27 % |
| Unterschied (95-%-KI) | 9 % (4 bis 13) | 12 % (7 bis 17) | 11 % (1 bis 21) |
| EASI-75, Tralokinumab / Placebo | 25 % / 13 % | 33 % / 10 % | 56 % / 37 % |
| Unterschied (95-%-KI) | 12 % (6 bis 18) | 22 % (17 bis 28) | 20 % (9 bis 30) |
IGA 0 oder 1 heißt „erscheinungsfrei” oder „fast erscheinungsfrei”, EASI-75 eine Besserung des Hautbefunds um mindestens 75 %. In den Monotherapie-Studien erreichte nach 16 Wochen jeweils eine Minderheit der Behandelten die Zielmarke. Die Unterschiede zum Placebo sind in allen drei Studien statistisch abgesichert, die Konfidenzintervalle schließen die Null nicht ein; zur Lesart siehe Konfidenzintervall.
Juckreiz: Eine Verbesserung um mindestens vier Punkte auf der elfstufigen Skala erreichten in ECZTRA 1 20 % gegenüber 10 %, in ECZTRA 2 25 % gegenüber 9 % und in ECZTRA 3 46 % gegenüber 35 %.
Die Erhaltung der Wirkung in den Monotherapie-Studien (Woche 16 bis 52) wurde an Personen geprüft, die zuvor angesprochen hatten. In ECZTRA 1 hielten bei den EASI-75-Respondern 60 % unter Gabe alle zwei Wochen und 49 % unter Gabe alle vier Wochen das Ansprechen bis Woche 52, unter Placebo 33 %. Die Gruppen sind klein (47, 57 und 30 Personen).
Nebenwirkungen und Warnhinweise
Häufigste Nebenwirkungen (mindestens 1 %) laut Label: Infekte der oberen Atemwege, Bindehautentzündung, Reaktionen an der Einstichstelle und erhöhte eosinophile Zellen. Bis Woche 16 in der Monotherapie (1.180 Behandelte gegenüber 388 unter Placebo):
| Nebenwirkung | Tralokinumab | Placebo |
|---|---|---|
| Infekte der oberen Atemwege | 23,8 % | 20,4 % |
| Bindehautentzündung | 7,5 % | 3,1 % |
| Reaktionen an der Einstichstelle | 7,4 % | 4,1 % |
Die Warnhinweise nennen Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich Anaphylaxie, Bindehautentzündung und Keratitis (neue oder verschlechterte Augensymptome sollen gemeldet werden), Wurminfektionen (vor Beginn behandeln) und Lebendimpfstoffe, die zu vermeiden sind.
Zur Einordnung
Derselbe Wirkstoff ist diesseits und jenseits des Atlantiks unter verschiedenen Namen und mit verschieden formulierten Voraussetzungen zugelassen. Wie ein Zulassungstext die Behandlungsreihenfolge festschreibt, zeigt am Beispiel Dupilumab Dupilumab: was der Zulassungstext über das Ekzem verrät.
Für Hände und Beruf ist das chronische Handekzem eine eigene Diagnose mit eigener Leitlinie: Handekzem im Handwerk.
Studienzahlen, Sicherheitshinweise und Dosierung in Kurzform stehen im Wirkstoff-Eintrag Tralokinumab.
Was offen bleibt
- Vergleich mit Dupilumab oder Nemolizumab: Die Studien sind placebokontrolliert; ein direkter Vergleich liegt in den gelesenen Quellen nicht vor.
- Deutsche Leitlinie, Erstattung (G-BA), Preis: nicht geprüft.
- EU-Fachinformation im Volltext: nicht ausgewertet; die Angaben zu Indikation und Gabe stammen von der EMA-Übersichtsseite und der Produktdaten-Zeile.