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GLABRIOÄsthetische Medizin und Hautpflege für Männer
  • Beleglage:Zulassungsstand
  • Status:In der EU nicht zugelassen

Aus den USA

Crisaborol: in den USA ein Ekzem-Topikum, in der EU zugelassen und wieder zurückgezogen

Eucrisa ist ein kortisonfreies Topikum gegen leichte bis mittelschwere Neurodermitis. Die EU erteilte 2020 eine Zulassung und nahm sie 2022 auf Antrag des Herstellers zurück. Was die Quellen belegen.

Von der GLABRIO-Redaktion3 Min. Lesezeit

Aktualisiert am 15. Oktober 2026. Quellenlage geprüft am 9. Oktober 2026.

Wer in den USA eine leichte bis mittelschwere Neurodermitis hat, kann mit einem Wirkstoff behandelt werden, der weder Kortison noch ein Calcineurinhemmer ist: Crisaborol. In der EU stand er kurz im Zulassungsregister und ist heute wieder draußen. Dieser Artikel liest die US-Fachinformation und die EMA-Seite nebeneinander. Er ist keine Therapieempfehlung.

Was die US-Fachinformation sagt

EUCRISA is a phosphodiesterase 4 inhibitor indicated for topical treatment of mild to moderate atopic dermatitis in adult and pediatric patients 3 months of age and older.

Zur Anwendung: eine dünne Schicht zweimal täglich auf die betroffenen Stellen. Ist die Wirkung eingetreten, könne eine Reduktion auf einmal täglich erwogen werden. Nicht zur Anwendung am Auge, im Mund oder in der Scheide.

Was die Zulassungsstudien zeigen

Zwei randomisierte, doppelblinde, vehikelkontrollierte Studien (Trial 1 und 2) behandelten zusammen 1.522 Personen zwischen 2 und 79 Jahren, davon 86,3 % Kinder und Jugendliche von 2 bis 17 Jahren. Die Erkrankung betraf 5 bis 95 % der Körperoberfläche; bei 38,5 % war sie zu Beginn leicht, bei 61,5 % mittelschwer. Die Behandlung dauerte 28 Tage, zweimal täglich, Verhältnis Wirkstoff zu Vehikel 2:1.

Als Erfolg zählte am Tag 29 ein ISGA-Wert von 0 oder 1 („erscheinungsfrei” oder „fast erscheinungsfrei”) bei mindestens zwei Stufen Besserung gegenüber dem Ausgangswert:

Trial 1Trial 2
Crisaborol zweimal täglich32,8 % (n = 503)31,4 % (n = 513)
Vehikel25,4 % (n = 256)18,0 % (n = 250)

Anders gelesen: In beiden Studien erreichten rund zwei von drei Behandelten das Ziel nicht. Und auch ein Teil der Personen unter dem wirkstofffreien Vehikel erreichte es. Konfidenzintervalle nennt der von uns gelesene Abschnitt nicht; zur Lesart solcher Angaben siehe Konfidenzintervall.

Eine dritte Studie (Trial 3) prüfte die einmal tägliche Gabe über 52 Wochen bei Personen, die zuvor unter zweimal täglicher Gabe angesprochen hatten. Das Label berichtet dazu in einer Abbildung, deren Zahlen wir hier nicht wiedergeben können; das Nebenwirkungsprofil unter der einmal täglichen Gabe beschreibt es als dem Vehikel ähnlich.

Nebenwirkungen und Warnhinweise

Die häufigste Nebenwirkung (mindestens 1 %) war Schmerz an der Anwendungsstelle, das Label erklärt ihn als Brennen oder Stechen: 45 von 1.012 Behandelten (4 %) gegenüber 6 von 499 unter Vehikel (1 %). Seltener als 1 % trat Kontakturtikaria auf.

Gegenanzeige ist eine bekannte Überempfindlichkeit gegen Crisaborol oder einen Bestandteil. Bei Zeichen einer Überempfindlichkeit (starker Juckreiz, Schwellung und Rötung an der Anwendungsstelle oder entfernt davon) soll das Mittel sofort abgesetzt werden.

Was die EMA sagt

Die EMA führt das Mittel unter dem Namen Staquis. Die Seite nennt:

  • Stellungnahme des Ausschusses (CHMP): 30.01.2020
  • Zulassung der EU-Kommission: 27.03.2020
  • Indikation: leichte bis mittelschwere atopische Dermatitis bei Erwachsenen und Kindern ab 2 Jahren, mit einer Grenze bei 40 % betroffener Körperoberfläche (das Vergleichszeichen ist auf der abgerufenen Seite nicht lesbar)
  • Status: „This medicine’s authorisation has been withdrawn”

Am 31.01.2022 widerrief die Kommission die Zulassung. Der Inhaber, Pfizer Europe MA EEIG, hatte darum gebeten und der Kommission mitgeteilt, das Produkt aus kommerziellen Gründen nicht in der EU in den Verkehr zu bringen. Die Gründe für diese Entscheidung nennt die Seite nicht über diesen Satz hinaus. Ein Sicherheitsproblem wird dort nicht als Anlass genannt.

Zum Vergleich: Wie es einem Arzneimittel geht, wenn aus kommerziellen Gründen sein Markt verschwindet, beschreibt Wenn ein Medikament aus kommerziellen Gründen verschwindet.

Einordnung

Für Neurodermitis stehen hier andere Wege im Vordergrund; Antikörper und JAK-Hemmer gegen mittelschwere bis schwere Formen behandeln etwa Dupilumab und Abrocitinib. Zwei weitere kortisonfreie Wirkstoffe ohne zentrale EU-Zulassung stellt Vtama und Zoryve vor.

Was offen bleibt

  • Konfidenzintervalle und die Zahlen der 52-Wochen-Studie: im gelesenen Label-Text nicht enthalten.
  • Direkter Vergleich mit Kortison-Salben oder Calcineurinhemmern: nicht geprüft.
  • Ob die Zulassungslage in einzelnen anderen Ländern abweicht: nicht geprüft.
  • Deutsche Leitlinie, Erstattung, Preis: nicht geprüft.

Die Label-Daten in Kurzform, nach Wirkstoff geordnet: Crisaborol.

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