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GLABRIOÄsthetische Medizin und Hautpflege für Männer
  • Beleglage:Studienlage
  • Status:In der EU nicht zugelassen

Wirkstoff

Crisaborol

Kortisonfreie Salbe (PDE-4-Hemmer), zweimal täglich. In den USA bei leichter bis mittelschwerer Neurodermitis ab 3 Monaten zugelassen; die EU-Zulassung (Staquis, 2020) wurde 2022 auf Antrag des Inhabers widerrufen.

Auch: Crisaborole · Eucrisa · Staquis · PDE-4-Hemmer

Anwendung
Äußerlich
Verschreibung
Rezeptpflichtig
Wirkprinzip
Crisaborol hemmt die Phosphodiesterase 4 (PDE-4); dadurch steigt der intrazelluläre cAMP-Spiegel. Der konkrete Mechanismus, über den es bei Neurodermitis wirkt, ist laut US-Label nicht genau geklärt.
Dosis
US-Label: dünne Schicht zweimal täglich auf die betroffenen Areale; nach Eintritt der Wirkung kann eine Reduktion auf einmal täglich erwogen werden. Nicht zur Anwendung am Auge, im Mund oder in der Scheide.
Häufige Nebenwirkungen
Schmerz an der Anwendungsstelle (Brennen, Stechen): 4 % gegenüber 1 % unter Vehikel · Seltener als 1 %: Kontakturtikaria · Nach Markteinführung gemeldet: allergische Kontaktdermatitis

Ungeeignet, wenn: Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Crisaborol oder einen Bestandteil (Gegenanzeige laut US-Label). Bei Zeichen einer Überempfindlichkeit — starker Juckreiz, Schwellung, Rötung an der Anwendungsstelle oder entfernt davon — soll das Mittel sofort abgesetzt werden. Nicht belegt ist die Anwendung bei Säuglingen unter 3 Monaten. In Deutschland ist es nicht verfügbar; die EU-Zulassung ist widerrufen.

Dieser Eintrag liest die US-Fachinformation und die EMA-Seite zum widerrufenen EU-Präparat. Er ist keine Therapieempfehlung. Die ausführliche Darstellung steht im Artikel Crisaborol: in den USA ein Ekzem-Topikum, in der EU zugelassen und wieder zurückgezogen.

Wofür das US-Label es zulässt

EUCRISA is a phosphodiesterase 4 inhibitor indicated for topical treatment of mild to moderate atopic dermatitis in adult and pediatric patients 3 months of age and older.

Was die Zulassungsstudien zeigen

Zwei vehikelkontrollierte Studien über 28 Tage mit zusammen 1.522 Personen zwischen 2 und 79 Jahren (86,3 % Kinder und Jugendliche). Erfolg am Tag 29 bedeutete: Arzturteil ISGA „erscheinungsfrei” oder „fast erscheinungsfrei” und mindestens zwei Stufen Besserung.

Tag 29CrisaborolVehikel
Studie 1 (n=503 / 256)32,8 %25,4 %
Studie 2 (n=513 / 250)31,4 %18,0 %

Rund zwei von drei Behandelten erreichten das Ziel in beiden Studien nicht, und auch unter dem wirkstofffreien Vehikel erreichten es 18 bis 25 %. Der gelesene Label-Abschnitt nennt keine Konfidenzintervalle (Konfidenzintervall). Verglichen wurde nicht mit Kortison oder Calcineurinhemmern. Eine dritte Studie prüfte die einmal tägliche Gabe über 52 Wochen bei Personen, die zuvor angesprochen hatten; die Zahlen stehen im Label nur in einer Abbildung, die wir nicht auswerten konnten.

Sicherheit laut US-Label

  • Gegenanzeige: bekannte Überempfindlichkeit gegen Crisaborol oder einen Bestandteil. Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich Kontakturtikaria sind aufgetreten.
  • Kein Warnkasten in der abgerufenen Fassung.
  • Aufnahme in den Körper: Crisaborol wird systemisch aufgenommen; bei 33 Kindern von 2 bis 17 Jahren mit großflächiger Erkrankung (im Mittel 49 % der Körperoberfläche) waren die Plasmakonzentrationen messbar. Die Plasmaeiweißbindung liegt in vitro bei 97 %.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Humandaten reichen laut Label nicht aus.

Europa

Die EMA führte das Mittel unter dem Namen Staquis: Zulassung der EU-Kommission am 27.03.2020, Indikation leichte bis mittelschwere atopische Dermatitis ab 2 Jahren. Die Seite trägt heute den Status „withdrawn”. Der Inhaber hatte darum gebeten und mitgeteilt, das Produkt aus kommerziellen Gründen nicht in der EU in den Verkehr zu bringen. Ein Sicherheitsproblem nennt die Seite nicht als Anlass. Hintergrund zu solchen Fällen: Wenn ein Medikament aus kommerziellen Gründen verschwindet.

Was offen bleibt

Nicht belegt in den gelesenen Quellen: Vergleich mit Kortison, Tacrolimus oder Pimecrolimus, Zahlen der 52-Wochen-Studie, Wirkung bei Erwachsenen getrennt von Kindern, deutsche Leitlinie, Preis. Die hierzulande verfügbaren kortisonfreien Topika: Tacrolimus und Pimecrolimus; weitere ohne zentrale EU-Zulassung: Roflumilast (topisch) und Tapinarof. Für mittelschwere bis schwere Formen siehe Dupilumab.