- Beleglage:Studienlage
- Status:In der EU nicht zugelassen
Wirkstoff
Tapinarof
Topischer Arylhydrocarbon-Rezeptor-Agonist als Creme (1 %), einmal täglich. Laut US-Label bei Plaque-Psoriasis (Erwachsene) und Neurodermitis (ab 2 Jahren) zugelassen; Wirkmechanismus laut Label unbekannt.
Auch: Vtama · AhR-Agonist
- Anwendung
- Äußerlich
- Verschreibung
- Rezeptpflichtig
- Wirkprinzip
- Tapinarof ist ein Agonist des Arylhydrocarbon-Rezeptors (AhR). Das US-Label hält ausdrücklich fest, dass der konkrete Mechanismus, über den die Creme wirkt, unbekannt ist; auch die Pharmakodynamik sei unbekannt.
- Dosis
- US-Label: dünne Schicht einmal täglich auf die betroffenen Areale; Hände nach dem Auftragen waschen, außer die Hände werden behandelt. Nicht zur Anwendung im Mund, am Auge oder in der Scheide.
- Häufige Nebenwirkungen
- Folliculitis (Psoriasis-Studien: 20 % gegenüber 1 % unter Vehikel) · Kontaktdermatitis (Psoriasis-Studien: 7 % gegenüber 1 %) · Nasopharyngitis und Kopfschmerz · Neurodermitis-Studien: Infekte der oberen Atemwege (12 %), Folliculitis (9 %)
Ungeeignet, wenn: Die Kontraindikationsliste des US-Labels ist leer („None"). Nicht belegt ist die Anwendung bei Psoriasis von Kindern (laut Label nicht etabliert) und bei Neurodermitis unter 2 Jahren. Zur Anwendung bei Schwangeren und Stillenden reichen die Humandaten laut Label nicht aus.
Dieser Eintrag liest ausschließlich die US-Fachinformation. Eine deutsche oder europäische Fachinformation gibt es nach der Prüfung im Artikel Vtama und Zoryve (Stand 24.08.2026) nicht; wir haben das für diesen Eintrag nicht erneut geprüft. Leitlinien haben wir nicht ausgewertet. Der Eintrag ist keine Therapieempfehlung.
Wofür das US-Label es zulässt
VTAMA cream is an aryl hydrocarbon receptor agonist indicated for: the topical treatment of plaque psoriasis in adults; the topical treatment of atopic dermatitis in adults and pediatric patients 2 years of age and older.
Bei Psoriasis nennt das Label ausdrücklich, dass Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern nicht belegt sind. Für Neurodermitis stützt es die Zulassung ab 2 Jahren auf zwei kontrollierte Studien mit 654 Kindern und Jugendlichen (436 davon unter Tapinarof).
Was die Zulassungsstudien zeigen
Plaque-Psoriasis (PSOARING 1 und 2): 1.025 Erwachsene, 12 Wochen, einmal täglich auf jede Läsion, zwei Drittel Verum, ein Drittel Vehikel. Erfolg bedeutete „erscheinungsfrei” oder „fast erscheinungsfrei” im Arzturteil (PGA) plus mindestens zwei Stufen Besserung. 82 % hatten zu Beginn eine mittelschwere Erkrankung; die mittlere betroffene Körperfläche lag bei 8 %.
| Woche 12 | Tapinarof | Vehikel | Differenz (95-%-KI) |
|---|---|---|---|
| PSOARING 1 (n=340 / 170) | 36 % | 6 % | 29 % (22–36 %) |
| PSOARING 2 (n=343 / 172) | 40 % | 6 % | 34 % (27–41 %) |
Neurodermitis (ADORING 1 und 2): 813 Personen ab 2 Jahren (80 % unter 18), 8 Wochen, mittlere betroffene Körperfläche 16,8 %. Erfolg war „erscheinungsfrei” oder „fast” im vIGA-AD plus zwei Stufen Besserung.
| Woche 8 | Tapinarof | Vehikel | Differenz (95-%-KI) |
|---|---|---|---|
| ADORING 1 (n=270 / 137) | 45 % | 14 % | 32 % (23–40 %) |
| ADORING 2 (n=271 / 135) | 46 % | 18 % | 29 % (19–38 %) |
Die Differenzen sind gerundete Werte aus dem Label. Wie man Differenz und Konfidenzintervall liest, steht unter Konfidenzintervall. Die Studien verglichen nur mit einem wirkstofffreien Vehikel — nicht mit Kortison oder einem anderen Wirkstoff. Aussagen wie „besser als Kortison” lassen sich daraus nicht ableiten.
Was nach dem Absetzen passiert
Wer nach 12 Wochen erscheinungsfrei war und die Creme absetzte (73 Personen), wurde bis zu 40 Wochen weiter beobachtet; bis zur ersten Verschlechterung auf mindestens „leicht” vergingen im Median 114 Tage (95-%-KI 85–142). Bei Neurodermitis (51 Personen, bis zu 48 Wochen Nachbeobachtung) waren es im Median 57 Tage (KI 30–79). Das sind kleine Teilgruppen (bei Neurodermitis zudem Personen, die sich für die Weiterbeobachtung entschieden) — die Zahlen sagen etwas über diese Gruppen, nicht über alle Behandelten.
Sicherheit laut Label
- Die abgerufene Fassung enthält weder einen Warnkasten noch einen Abschnitt „Warnings and Precautions”; die Kontraindikationen sind „None”.
- Häufigste Nebenwirkung bei Psoriasis war die Folliculitis (140 von 683 gegenüber 3 von 342). Wegen Kontaktdermatitis (2,9 %) und Folliculitis (2,8 %) brachen mehr als 1 % der Behandelten ab.
- In der offenen Verlängerung (763 Personen, bis zu 40 weitere Wochen) kamen Urtikaria (1,0 %) und Arzneimittelexanthem (0,7 %) hinzu.
- Bei Neurodermitis traten Atemwegsinfekte, Folliculitis (9 % gegenüber 1 %), Kopfschmerz und Asthma häufiger auf als unter Vehikel; Reaktionen an der Auftragestelle lagen bei 3,5 % (Vehikel 3,3 %).
- Aufnahme in den Körper: Bei Kindern ab 2 Jahren mit Neurodermitis lagen die Blutspiegel höher als bei Erwachsenen mit Psoriasis. Die Plasmaeiweißbindung liegt laut Label in vitro bei etwa 99 %.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Daten beim Menschen reichen laut Label nicht aus; Tierstudien zeigten bei Gabe unter die Haut keine Fehlbildungen, bei der Ratte aber verminderte Überlebensraten der Jungtiere ab hoher Dosis.
Was offen bleibt
Nicht belegt in der gelesenen Quelle: Vergleich mit Kortison oder anderen Topika, Wirkung am Bart oder an der Kopfhaut (die Studien schlossen die Kopfhaut aus der Flächenberechnung aus, behandelten aber „jede Läsion”), Langzeitsicherheit über 52 Wochen hinaus, Preis, Erstattung, deutsche Zulassung. Die übrigen kortisonfreien Optionen hierzulande: Tacrolimus und Pimecrolimus; Einordnung des US-Markts im Artikel Vtama und Zoryve.