- Beleglage:Zulassungsstand
Wirkstoff
Pimecrolimus
Topischer Calcineurin-Inhibitor als Creme (1 %). Laut US-Fachinformation nur Zweitlinie bei leichter bis mittelschwerer Neurodermitis, mit Warnhinweis zur Langzeitsicherheit.
Auch: Elidel · Calcineurin-Inhibitor
- Anwendung
- Äußerlich
- Verschreibung
- Rezeptpflichtig
- Wirkprinzip
- Pimecrolimus bindet an Macrophilin-12 und hemmt Calcineurin; die T-Zell- Aktivierung und die Bildung früher Zytokine werden blockiert. Das Label betont, dass der Wirkmechanismus bei atopischer Dermatitis nicht bekannt ist.
- Dosis
- US-Label: dünn auf betroffene Haut, zweimal täglich; absetzen, wenn die Zeichen abgeklungen sind; nach 6 Wochen ohne Besserung neu untersuchen lassen.
- Häufige Nebenwirkungen
- Brennen an der Auftragestelle (in den Studien 8 bis 26 %) · Kopfschmerzen · Nasopharyngitis, Husten, Influenza
- Nicht kombinieren mit
- Okklusivverbände (Sicherheit unter Okklusion nicht geprüft)
Ungeeignet, wenn: die Immunabwehr geschwächt ist oder systemische Immunsuppressiva genommen werden, bei Kindern unter 2 Jahren, bei Verdacht auf bösartige oder Vorstufen-Hautveränderungen (etwa kutanes T-Zell-Lymphom, das wie eine Dermatitis aussehen kann), bei Netherton-Syndrom und bei Hautinfektionen im Behandlungsgebiet, solange sie nicht abgeklungen sind.
Dieser Eintrag liest ausschließlich die US-Fachinformation. Die deutsche Fachinformation und eine Leitlinienempfehlung zu Pimecrolimus bei Neurodermitis haben wir nicht ausgewertet; ein EMA-Zulassungsdokument war unter der geprüften Adresse nicht abrufbar. Zur Zulassungslage in Deutschland sagt dieser Eintrag deshalb nichts. Er ist keine Therapieempfehlung.
Wofür das US-Label es zulässt
Pimecrolimus Cream, 1 % is indicated as second-line therapy for the short-term and non-continuous chronic treatment of mild to moderate atopic dermatitis in non-immunocompromised adults and children 2 years of age and older, who have failed to respond adequately to other topical prescription treatments, or when those treatments are not advisable.
Zweitlinie also, nicht Erstbehandlung. Für Kinder unter zwei Jahren ist die Creme ausdrücklich nicht zugelassen.
Der Warnhinweis im Kasten
Das Label beginnt mit einer Boxed Warning, der schärfsten Warnstufe der FDA: Die Langzeitsicherheit topischer Calcineurin-Inhibitoren sei nicht nachgewiesen. Ein ursächlicher Zusammenhang sei nicht belegt, es seien aber seltene Fälle von Malignomen (Haut und Lymphome) berichtet worden. Daraus folgt laut Label:
- Dauerhafte Anwendung vermeiden, in jedem Alter.
- Nur auf die vom Ekzem betroffenen Areale auftragen.
- Nicht bei Immunsupprimierten, auch nicht unter systemischen Immunsuppressiva.
- Ohne Besserung nach 6 Wochen: Diagnose überprüfen lassen.
- Die Sicherheit über ein Jahr nicht kontinuierlicher Anwendung hinaus sei nicht belegt.
Die Begründung des Labels: Bei systemischer Gabe von Calcineurin-Inhibitoren (Tierstudien, Transplantierte) seien Infekte, Lymphome und Hautkrebs häufiger aufgetreten, abhängig von Stärke und Dauer der Immunsuppression. Für die Creme bestehe wegen des Wirkmechanismus Anlass zur Sorge um ein mögliches Risiko.
Was die Zulassungsstudien zeigen
Die Zulassungsstudien liefen bei Kindern und Jugendlichen. Zwei identische, sechswöchige Studien mit 403 Teilnehmenden (2 bis 17 Jahre; 59 % mittelschwer):
| Globalbeurteilung nach 6 Wochen | Pimecrolimus (n=267) | Vehikel (n=136) |
|---|---|---|
| erscheinungsfrei | 10 % | 4 % |
| erscheinungsfrei oder fast | 35 % | 18 % |
| erscheinungsfrei bis leicht | 67 % | 40 % |
Mildes oder kein Jucken hatten 57 % gegenüber 34 %. Zu Erwachsenen nennt das Label eine aktiv kontrollierte Sicherheitsstudie; Wirksamkeitszahlen für Erwachsene haben wir nicht ausgewertet. Konfidenzintervalle gibt das Label in den gelesenen Abschnitten nicht an; zur Lesart siehe Konfidenzintervall.
Weitere Warnhinweise
- Infektionen: Vor Beginn sollen bakterielle oder virale Infektionen im Behandlungsgebiet abgeklungen sein. Unter Pimecrolimus könne das Risiko für Windpocken/Gürtelrose, Herpes simplex und Eczema herpeticum erhöht sein. In den Studien traten bei 15 von 1.544 Behandelten (1 %) Hautpapillome (Warzen) auf.
- Lymphknotenschwellung: bei 14 von 1.544 (0,9 %), meist infektbedingt; ohne klare Ursache oder bei Pfeifferschem Drüsenfieber absetzen.
- Sonne: Sonnenlicht und künstliche UV-Strahlung während der Behandlung möglichst meiden; die Wirkung auf UV-Schäden sei nicht bekannt.
- Wechselwirkungen: nicht systematisch untersucht; bei ausgedehntem Befall Vorsicht mit CYP3A-Hemmern (Beispiele laut Label: Erythromycin, Itraconazol, Fluconazol, Cimetidin).
- Brennen: vor allem in den ersten Tagen; Brennen an der Auftragestelle lag in den Studien bei 8 bis 26 %.
Was offen bleibt
Nicht belegt in den gelesenen Quellen: Vergleich mit Tacrolimus oder Kortison, Wirksamkeit bei Erwachsenen in Zahlen, deutsche Zulassung und Leitlinienstatus, Preis, Erstattung. Bei der Alopecia areata ist Pimecrolimus nach dem dort gelesenen Leitlinienmaterial ein Off-Label-Einsatz; das US-Label nennt diese Anwendung nicht.
Verwandt: Tacrolimus, der zweite topische Calcineurin-Inhibitor, und das atrophogene Potenzial von Kortison, das die Handekzem-Leitlinie als Grund nennt, Calcineurin-Inhibitoren zu erwägen.