- Beleglage:Studienlage
- Status:In Deutschland zugelassen
Wirkstoff
Dupilumab
Antikörper gegen den Interleukin-4-Rezeptor alpha, als Spritze unter die Haut. Bei der Haut zugelassen für mittelschwere bis schwere Neurodermitis; US-Label nennt daneben weitere Erkrankungen, darunter Prurigo nodularis.
Auch: Dupixent · IL-4-Rezeptor-Antikörper
- Anwendung
- Injektion
- Verschreibung
- Rezeptpflichtig
- Wirkprinzip
- Dupilumab ist laut US-Label ein Antagonist am Interleukin-4-Rezeptor alpha und blockiert damit die Signalwege von Interleukin 4 und Interleukin 13.
- Dosis
- US-Label, Neurodermitis, Erwachsene: einmalig 600 mg (zwei Injektionen zu 300 mg), danach 300 mg alle zwei Wochen. Für Kinder und Jugendliche gelten nach Körpergewicht gestaffelte Schemata (Intervall zwei oder vier Wochen). Anwendung mit oder ohne topische Kortikosteroide; Calcineurin-Inhibitoren sollen laut Label auf Problemareale wie Gesicht, Hals sowie Beugen- und Genitalbereich beschränkt bleiben.
- Häufige Nebenwirkungen
- Reaktionen an der Einstichstelle (10 % gegenüber 5 % unter Placebo, Monotherapie-Studien SOLO 1 und 2) · Bindehautentzündung, zusammengefasst mit Augenreizung und Augenentzündung (10 % gegenüber 2 %; mit Kortison-Begleittherapie 9 % gegenüber 5 %) · Lippenherpes (4 % gegenüber 2 %) · weiter genannt: Lidrandentzündung, Hornhautentzündung, Augenjucken, trockenes Auge, Eosinophilie
- Nicht kombinieren mit
- Lebendimpfstoffe während der Behandlung (laut US-Label zu vermeiden)
Ungeeignet, wenn: Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Dupilumab oder einen Hilfsstoff (Kontraindikation laut US-Label). Vorsicht und Abklärung nennt das Label bei neu auftretenden Augenbeschwerden, bei neu auftretender Psoriasis oder Gelenkbeschwerden und bei Wurminfektionen, die vor Beginn zu behandeln sind. Bei leichter Neurodermitis, die auf Topika anspricht, trägt der Zulassungstext die Anwendung nicht: Er setzt mittelschwere bis schwere Erkrankung voraus, die unter verschreibungspflichtigen Topika nicht ausreichend kontrolliert ist oder bei der diese nicht ratsam sind.
Dieser Eintrag liest die US-Fachinformation (Stand 22.04.2026) und die Übersichtsseite der EMA. Die vollständige deutsche Fachinformation haben wir nicht gelesen; Leitlinien wurden hier nicht ausgewertet. Der Eintrag ist keine Therapieempfehlung. Einordnung des Zulassungstexts: Dupilumab: was der Zulassungstext über das Ekzem verrät.
Wofür das US-Label es zulässt
DUPIXENT is an interleukin-4 receptor alpha antagonist indicated […] for the treatment of adult and pediatric patients aged 6 months and older with moderate-to-severe AD whose disease is not adequately controlled with topical prescription therapies or when those therapies are not advisable. DUPIXENT can be used with or without topical corticosteroids.
Das Label führt außerdem Asthma, chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen, eosinophile Ösophagitis, Prurigo nodularis (Erwachsene), COPD, chronische spontane Urtikaria, bullöses Pemphigoid und allergische Pilz-Rhinosinusitis auf. Für Prurigo nodularis und Urtikaria ist die Haut betroffen; die übrigen Indikationen liegen außerhalb dieses Magazins.
Die EU-Fassung ist enger formuliert. Laut EMA-Seite ist Dupixent in der EU seit 2017 zugelassen; bei Neurodermitis für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren mit mittelschwerer bis schwerer Erkrankung, die für eine systemische Therapie in Frage kommen, und für Kinder von 6 Monaten bis 11 Jahren mit schwerer Erkrankung. Das Alter nach unten und der Schweregrad bei Kindern unterscheiden sich also vom US-Text. Auf der EMA-Seite finden sich zwei abweichende Daten für die Zulassung (26.09. und 27.09.2017); wir nennen deshalb nur das Jahr.
Was die Zulassungsstudien zeigen
Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis (IGA 3–4, EASI ≥ 16, mindestens 10 % betroffene Körperfläche; mittleres Alter 38 Jahre, 59 % männlich), Ergebnisse in Woche 16:
| Endpunkt | SOLO 1 (224/224) | SOLO 2 (233/236) | CHRONOS + Kortison (106/315) |
|---|---|---|---|
| IGA 0 oder 1 (mind. 2 Stufen Besserung), Dupilumab / Placebo | 38 % / 10 % | 36 % / 9 % | 39 % / 12 % |
| EASI-75 | 51 % / 15 % | 44 % / 12 % | 69 % / 23 % |
| Juckreiz ≥ 4 Punkte besser | 41 % / 12 % | 36 % / 10 % | 59 % / 20 % |
SOLO 1 und 2 untersuchten die Monotherapie über 16 Wochen, CHRONOS die Kombination mit topischem Kortison (und bei Bedarf Calcineurin-Inhibitoren an Problemarealen) über 52 Wochen. Das heißt umgekehrt: In der Monotherapie erreichten nach 16 Wochen rund zwei Drittel den Zielwert „erscheinungsfrei oder fast erscheinungsfrei” nicht. Fehlende Daten und Rescue-Behandlung wurden als Nichtansprechen gewertet. Vergleiche mit anderen Systemtherapien (etwa Ciclosporin oder JAK-Hemmern) enthält das Label nicht.
Sicherheit laut Label
- Augen: Bindehaut- und Hornhautentzündungen traten bei Neurodermitis unter Dupilumab häufiger auf als unter Placebo; die meisten Fälle erholten sich oder waren in Erholung. Neue oder sich verschlechternde Augenbeschwerden sollen gemeldet werden, gegebenenfalls ist eine augenärztliche Untersuchung zu erwägen.
- Überempfindlichkeit: Anaphylaxie, Serumkrankheit, Angioödem und andere Reaktionen sind beschrieben; bei klinisch relevanter Reaktion absetzen.
- Psoriasis: Neu aufgetretene Psoriasis wurde nach Markteinführung berichtet, auch ohne familiäre Vorbelastung; sie bildete sich nach dem Absetzen teilweise oder vollständig zurück.
- Gelenke: Gelenkbeschwerden und Psoriasis-Arthritis sind beschrieben.
- Wurmerkrankungen und Impfungen: vorhandene Wurminfektionen vor Beginn behandeln; Lebendimpfstoffe vermeiden, übliche Impfungen möglichst vor Beginn vervollständigen.
- Schwangerschaft: Fallberichte und -serien zeigten kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen oder Fehlgeburt; Antikörper der IgG-Klasse können die Plazenta passieren. Es gibt ein Schwangerschaftsregister.
Was offen bleibt
Nicht belegt in den gelesenen Quellen: Vergleich mit Ciclosporin, Methotrexat, Upadacitinib oder Baricitinib, Langzeitdaten jenseits der Studiendauer, Wirkung am Handekzem oder am Bart, Preis und Erstattung, deutsche Leitlinie. Zum Handekzem siehe Handekzem, zu Alternativen mit Hautbezug Upadacitinib.