- Beleglage:Leitlinie
- Status:In Deutschland zugelassen
Wirkstoff
Guselkumab
IL-23-Hemmer bei Plaque-Psoriasis, seit 2017 zugelassen — Adalimumab in eigenen Studien klar überlegen, in der Leitlinien-Metaanalyse aber schwächer als die neueren Hemmer dieses Bestands.
Auch: Tremfya
- Anwendung
- Injektion
- Verschreibung
- Rezeptpflichtig
- Wirkprinzip
- Ein vollständig humaner monoklonaler Immunglobulin-G1-lambda-Antikörper, hergestellt in Ovarialzellen des chinesischen Hamsters, der laut Fachinformation mit hoher Spezifität und Affinität an das Interleukin-23-Protein bindet und dadurch die IL-23-abhängige Signalübertragung sowie die Freisetzung proinflammatorischer Zytokine hemmt — wie [Risankizumab](/wirkstoffe/risankizumab) ein Hemmer von IL-23; keine der beiden Fachinformationen erwähnt eine direkte Vergleichsstudie der beiden Wirkstoffe.
- Dosis
- 100 mg subkutan in Woche 0, Woche 4 und danach alle 8 Wochen.
- Wirkeintritt
- Die co-primären Endpunkte der Zulassungsstudien wurden in Woche 16 ausgewertet.
- Häufige Nebenwirkungen
- Atemwegsinfektionen (sehr häufig, rund 15 % in den Psoriasis- und Psoriasis-Arthritis-Studien) · Kopfschmerz, Diarrhö, Ausschlag, Reaktionen an der Injektionsstelle, Transaminasenerhöhung, Arthralgie (häufig) · Herpes-simplex-Infektionen, Tinea-Infektionen, Gastroenteritis, Urtikaria, Neutrophilenzahl erniedrigt (gelegentlich) · Überempfindlichkeit, Anaphylaxie (selten)
- Nicht kombinieren mit
- Lebendimpfstoffe (laut Fachinformation vor einer Lebendimpfung mindestens 12 Wochen seit der letzten Dosis abwarten, Behandlung frühestens 2 Wochen nach der Impfung fortsetzen)
Ungeeignet, wenn: eine klinisch relevante aktive Infektion einschließlich aktiver Tuberkulose vorliegt, bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, sowie ohne vorherige ärztliche Abwägung bei chronischen oder wiederkehrenden Infektionen.
Guselkumab war im Bestand bislang nur als Vergleichswert im Eintrag zu Bimekizumab präsent, obwohl es einer von drei zugelassenen IL-23-Hemmern ist, die die Psoriasis-Leitlinie in ihrer Netzwerk-Metaanalyse führt — und der am längsten zugelassene der drei.
Wofür es zugelassen ist
Zur Behandlung erwachsener Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis, die für eine systemische Therapie infrage kommen. Tremfya ist EU-weit seit dem 10.11.2017 zugelassen — vor Risankizumab (2019) und Bimekizumab (2021), aber deutlich nach den etablierten IL-17-Hemmern Secukinumab (2015) und Ixekizumab (2016). Die Fachinformation weist weitere, hier nicht behandelte Indikationen aus (Psoriasis-Arthritis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, außerdem eine eigene pädiatrische Plaque-Psoriasis-Dosierung ab sechs Jahren) — dieser Artikel beschränkt sich auf die Plaque-Psoriasis bei erwachsenen Patienten.
Der direkte Vergleich mit Adalimumab
Die beiden eigenen Zulassungsstudien (VOYAGE 1 und VOYAGE 2, zusammen 1.829 erwachsene Teilnehmende) randomisierten gegen Placebo und gegen Adalimumab, den älteren TNF-alpha-Hemmer. In Woche 16 erreichten laut Fachinformation, mit exakten Fallzahlen:
| Guselkumab | Adalimumab | Placebo | |
|---|---|---|---|
| PASI 90, VOYAGE 1 | 241/329 (73,3 %) | 166/334 (49,7 %) | 5/174 (2,9 %) |
| PASI 90, VOYAGE 2 | 347/496 (70,0 %) | 116/248 (46,8 %) | 6/248 (2,4 %) |
| PASI 100, VOYAGE 1 | 123/329 (37,4 %) | — | 1/174 (0,6 %) |
PASI 90 war einer der beiden co-primären Endpunkte beider Studien; die Vergleiche zwischen Guselkumab und Placebo sowie zwischen Guselkumab und Adalimumab erreichten dabei laut Fachinformation jeweils p < 0,001. Für PASI 100 wurde in Woche 16 laut Fachinformation kein statistischer Vergleich zwischen Guselkumab und Adalimumab durchgeführt (Adalimumab erreichte in VOYAGE 1 57 von 334 Teilnehmenden, 17,1 %). Der Vorteil gegenüber Adalimumab war ab Woche 8 numerisch erkennbar, erreichte sein Maximum um Woche 20 und blieb bis Woche 48 bestehen.
Im Wirksamkeitsvergleich der Leitlinie
Innerhalb der Netzwerk-Metaanalyse der aktuellen deutschen Leitlinie fällt Guselkumab dagegen hinter die neueren Wirkstoffe dieses Bestands zurück: Die Leitlinie hält ausdrücklich fest, dass Bimekizumab, Ixekizumab und Risankizumab den PASI 90 mit signifikant höherer Wahrscheinlichkeit erreichen als Brodalumab und Guselkumab. Als IL-23-Hemmer zählt Guselkumab dennoch — anders als Tildrakizumab, für das die Leitlinie hier eine Ausnahme macht — zu der Gruppe, die zusammen mit Infliximab und den IL-17-Hemmern mit signifikant höherer Wahrscheinlichkeit den PASI 90 erreicht als Deucravacitinib, Ustekinumab und die drei TNF-alpha-Hemmer wie Adalimumab. Guselkumab ist damit weder an der Spitze noch am Ende des Leitlinienvergleichs eingeordnet, sondern in einer mittleren Gruppe zwischen den älteren TNF-alpha-Hemmern und den neueren IL-17- und IL-23-Hemmern.
Sicherheitsprofil
Die häufigste Nebenwirkung waren Atemwegsinfektionen (rund 15 % in den Psoriasis- und Psoriasis-Arthritis-Studien). Die Fachinformation nennt außerdem häufig auftretende Transaminasenerhöhungen, wobei in den Psoriasis-Arthritis-Studien eine höhere Rate unter dem enger dosierten 4-Wochen-Intervall beobachtet wurde als unter dem für Plaque-Psoriasis zugelassenen 8-Wochen-Intervall. Vor Therapiebeginn ist ein Tuberkulose-Screening vorgeschrieben, aktive Tuberkulose ist eine Gegenanzeige. Schwere Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich Anaphylaxie sind beschrieben, teils erst mehrere Tage nach der Behandlung aufgetreten. Lebendimpfstoffe sind unter der Therapie nicht vorgesehen; die Fachinformation verlangt ein Absetzen mindestens 12 Wochen vor einer Lebendimpfung.
Wie bei Risankizumab enthält die Fachinformation keine Warnung zu neu auftretenden oder sich verschlechternden chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen — Guselkumab ist unter demselben Handelsnamen Tremfya zusätzlich für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zugelassen, anders als die IL-17-Hemmer dieses Bestands.
Wo es sich einordnet
Guselkumab war in seinen eigenen Zulassungsstudien dem älteren TNF-alpha-Hemmer Adalimumab klar überlegen — ein Ergebnis, das die Netzwerk-Metaanalyse der deutschen Leitlinie im direkten Vergleich mit den seither zugelassenen IL-17- und IL-23-Hemmern relativiert: Dort liegt Guselkumab hinter Bimekizumab, Ixekizumab und Risankizumab zurück. Zum Vergleich mit dem älteren, konventionellen Methotrexat.