- Beleglage:Studienlage
- Status:In der EU nicht zugelassen
Wirkstoff
Glycopyrronium (topisch)
Anticholinergikum als vorgetränktes Tuch (2,4 %), einmal täglich für beide Achseln. In den USA bei primärer axillärer Hyperhidrose ab 9 Jahren zugelassen; eine zentrale EU-Zulassung für das Tuch fand sich nicht.
Auch: Glycopyrroniumbromid · Glycopyrrolat · Qbrexza
- Anwendung
- Äußerlich
- Verschreibung
- Rezeptpflichtig
- Wirkprinzip
- Glycopyrronium ist laut US-Label ein kompetitiver Hemmer von Acetylcholin-Rezeptoren an peripheren Geweben, auch an Schweißdrüsen; es hemmt dort die Wirkung von Acetylcholin und senkt so die Schweißbildung.
- Dosis
- US-Label: ein Tuch einmal täglich auf saubere, trockene Haut beider Achseln (ein Wisch je Achsel mit demselben Tuch), nicht häufiger als alle 24 Stunden, nur in den Achseln; danach Hände sofort mit Seife waschen und das Tuch entsorgen.
- Häufige Nebenwirkungen
- Mundtrockenheit (24,2 % gegenüber 5,6 % unter Vehikel) · Weite Pupillen / Mydriasis (6,8 % gegenüber 0 %) · Halsschmerz (5,7 %), Kopfschmerz (5,0 %) · Zögerliches Wasserlassen (3,5 %), verschwommenes Sehen (3,5 %) · Lokale Hautreaktionen: Rötung, Brennen/Stechen, Juckreiz (ähnlich häufig wie unter Vehikel)
- Nicht kombinieren mit
- Andere anticholinerge Arzneimittel (laut US-Label vermeiden: additive Wirkung)
Ungeeignet, wenn: Laut US-Label gegenangezeigt bei Erkrankungen, die sich durch die anticholinerge Wirkung verschlechtern können, etwa Glaukom, paralytischer Ileus, instabiler Kreislauf bei akuter Blutung, schwere Colitis ulcerosa, toxisches Megakolon, Myasthenia gravis und Sjögren-Syndrom. Vorsicht bei früherem Harnverhalt, Prostatavergrößerung oder Blasenhalsenge. Bei fehlendem Schwitzen in Hitze nicht anwenden. Nicht belegt: Anwendung unter 9 Jahren und an anderen Körperstellen als den Achseln.
Dieser Eintrag liest ausschließlich die US-Fachinformation. Zur europäischen Lage haben wir für diesen Eintrag nichts neu geprüft; der Artikel Schwitzen: das Wirkstofftuch, das es hier nicht gibt hält fest, dass bei der EMA am 24.08.2026 keine EPAR-Seite für das Tuch existierte — was einen nationalen Zulassungsweg nicht ausschließt. Der Eintrag ist keine Therapieempfehlung.
Wofür das US-Label es zulässt
Qbrexza is indicated for topical treatment of primary axillary hyperhidrosis in adult and pediatric patients 9 years of age and older.
Gemeint ist übermäßiges Schwitzen der Achseln ohne erkennbare Ursache; zur Begriffsklärung siehe Hyperhidrose. Das deutsche Stufenschema steht im Artikel Hyperhidrose: die deutsche Stufentherapie.
Was die Zulassungsstudien zeigen
Zwei vehikelkontrollierte Studien mit zusammen 697 Personen ab 9 Jahren. Wer teilnahm, bildete in jeder Achsel mindestens 50 mg Schweiß in fünf Minuten und bewertete sein Schwitzen im Wochenmittel mit mindestens 4 von 10 Punkten (ASDD, Punkt 2). Hauptendpunkt war eine Besserung dieses Werts um mindestens 4 Punkte nach 4 Wochen.
| Woche 4 | Studie 1 (n=229 / 115) | Studie 2 (n=234 / 119) |
|---|---|---|
| Besserung um mindestens 4 Punkte: Glycopyrronium / Vehikel | 53 % / 28 % | 66 % / 27 % |
| Schweißmenge, Median der Änderung (mg/5 min) | −81 / −66 | −79 / −58 |
Die Schweißmenge lag zu Beginn im Median bei 113 bis 127 mg in fünf Minuten. Der Unterschied in der gemessenen Schweißmenge gegenüber dem Vehikel ist damit kleiner als der Unterschied im Selbsturteil; die Zahlen sagen zudem nichts über die Wirkung jenseits von vier Wochen aus. Konfidenzintervalle nennt der gelesene Abschnitt nicht (Konfidenzintervall). Eine offene Verlängerung behandelte 564 Personen bis zu 44 weitere Wochen.
Sicherheit laut Label
- Anticholinerge Effekte sind die Regel: Mundtrockenheit bei 24,2 % der Behandelten, Mydriasis bei 6,8 %, zögerliches Wasserlassen und verschwommenes Sehen je bei 3,5 %.
- Harnverhalt: Neues oder sich verschlechterndes Wasserlassen-Problem trat auf, auch ohne frühere Vorgeschichte; dann sofort absetzen und ärztlichen Rat suchen. Nach Markteinführung gemeldet: neu aufgetretener Harnverhalt.
- Hitze: In hoher Umgebungstemperatur kann durch verminderte Schweißbildung eine Überhitzung bis zum Hitzschlag auftreten; bei fehlendem Schwitzen in Hitze nicht anwenden.
- Auge: Zufälliger Kontakt (Berühren des Augenbereichs nach der Anwendung, weggeworfene Tücher, an die Kinder gelangten) führte nach Markteinführung zu weiten Pupillen, Pupillenungleichheit und verschwommenem Sehen, meist innerhalb einer Woche abgeklungen. Das Label betont das Händewaschen und die sichere Entsorgung. Bei verschwommenem Sehen Verkehr und Maschinen meiden.
- Schwangerschaft/Stillzeit: keine Humandaten.
- Ältere Menschen: die Studien enthielten zu wenige Personen ab 65 Jahren für eine Aussage.
Was offen bleibt
Nicht belegt in der gelesenen Quelle: Vergleich mit Aluminiumchlorid, Botulinumtoxin oder Iontophorese, Wirkung nach den ersten vier Wochen, Verhalten nach Absetzen, Anwendung an Händen, Füßen oder im Gesicht, EU-Status des Tuchs, Preis. Die Alternativen im deutschen Stufenschema: Iontophorese und Onabotulinumtoxin A; in den USA zusätzlich ein Gel mit anderem anticholinergem Wirkstoff: Sofdra.