Lexikon · Klinik
Hyperhidrose
Krankhaftes Übermaß an Schwitzen, das über die Erfordernisse der Wärmeregulation hinausgeht — meist fokal an Achseln, Händen, Füßen oder Stirn und ohne erkennbare Ursache.
Auch: Übermäßiges Schwitzen · Primäre fokale Hyperhidrose
Schwitzen ist ein lebensnotwendiger Kühlmechanismus. Hyperhidrose bezeichnet ein krankhaftes Übermaß daran — definiert nicht über eine Schweißmenge, sondern über die Fehlfunktion: Es schwitzt mehr, als die Wärmeregulation verlangt.
Bei der primären Hyperhidrose liegt keine andere Erkrankung zugrunde. Sie tritt typischerweise fokal und symmetrisch an Arealen mit hoher Schweißdrüsendichte auf — Achseln, Handflächen, Fußsohlen, Stirn, seltener in der Leiste — und beginnt oft schon vor dem 25. Lebensjahr. Kennzeichen laut Leitlinie: Das Schwitzen tritt temperaturunabhängig, unvorhersehbar und nicht willentlich kontrollierbar auf, mindestens einmal pro Woche mit spürbarer Alltagsbeeinträchtigung, und nachts schwitzen Betroffene in aller Regel nicht.
Von der sekundären Hyperhidrose grenzt sie sich dadurch ab, dass diese Symptom einer anderen Erkrankung oder Nebenwirkung eines Medikaments ist und entsprechend abgeklärt gehört.
Schweregrad und Diagnostik
Die Leitlinie unterscheidet drei klinische Schweregrade — von deutlich vermehrter Hautfeuchtigkeit (Grad I) über Schweißperlenbildung (Grad II) bis zu abtropfendem Schweiß (Grad III) — und nennt zwei ergänzende Testverfahren: den Jod-Stärke-Test nach Minor, der das betroffene Areal farblich abgrenzt, aber keine Aussage zur Schwitzmenge erlaubt, und die Gravimetrie, die abgesonderten Schweiß über Filterpapier und Ultrafeinwaage quantifiziert. Ergänzend kommt die Hyperhidrosis Disease Severity Scale (HDSS) zur Selbsteinschätzung zum Einsatz — für sie liegt nach Angabe der Leitlinie keine validierte deutsche Übersetzung vor.
Ein Stufenschema von der topischen Therapie bis zur Operation steht unter Hyperhidrose: die deutsche Stufentherapie.