- Beleglage:Zulassungsstand
- Status:In Deutschland zugelassen
Aus den USA
Hidradenitis suppurativa: die Biologika und was sie abdecken
Drei Antikörper haben inzwischen eine Zulassung für die mittelschwere bis schwere Form. Die Anwendungsgebiete unterscheiden sich — beim Alter und beim Wirkprinzip.
Quellenlage geprüft am 24. August 2026.
Die Hidradenitis suppurativa — auch Akne inversa — ist eine der Erkrankungen, bei denen sich in wenigen Jahren am meisten verändert hat. Von einer Situation mit einem einzigen zugelassenen Biologikum zu einer mit mehreren.
Was die Zulassungstexte sagen
Secukinumab, ein Interleukin-17A-Antagonist:
COSENTYX is a human interleukin-17A antagonist indicated for the treatment of … moderate to severe hidradenitis suppurativa (HS) in adults and pediatric patients 12 years of age and older.
Bimekizumab, ein Antagonist gegen Interleukin-17A und 17F:
BIMZELX is a humanized interleukin-17A and F antagonist indicated for the treatment of … Adults with moderate to severe hidradenitis suppurativa (HS).
Für beide existieren auch EPAR-Seiten bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur. Anders als bei Leqselvi oder Vtama und Zoryve ist die Lage hier also in beiden Märkten vergleichbar.
Dazu kommt Adalimumab, ein TNF-Hemmer — der Wirkstoff, der diese Behandlungslinie überhaupt eröffnet hat. Und Infliximab aus derselben Klasse.
Der Unterschied, auf den es ankommt
Zwei Angriffspunkte stehen nebeneinander:
| Klasse | Wirkstoffe | Zielstruktur |
|---|---|---|
| TNF-Hemmer | Adalimumab, Infliximab | Tumornekrosefaktor alpha |
| IL-17-Hemmer | Secukinumab, Bimekizumab | Interleukin 17A bzw. 17A und 17F |
Dass mehrere Wege zur Verfügung stehen, ist bei einer chronischen Erkrankung mit hoher Rezidivneigung der eigentliche Fortschritt: Wenn eine Klasse nicht wirkt oder die Wirkung nachlässt, gibt es eine zweite.
Zur Frage, warum die Wirkung nachlassen kann: Antikörperbildung. Und zur Frage, was ein Nachahmerpräparat in dieser Klasse bedeutet: Biosimilar.
Warum das ein Männerthema ist
Die Lehrbuchangabe lautet, Hidradenitis suppurativa treffe überwiegend Frauen. Die Zahlen aus Krankenhauskohorten stützen das — die beiden großen prospektiven Bevölkerungsstudien dagegen finden ein Verhältnis von etwa 1:1. Und die perianale Form überwiegt bei Männern.
Die Konsequenz: Männer werden später erkannt, und bis dahin vergehen Jahre mit Fehldiagnosen. Die ausführliche Analyse: Hidradenitis: die Unterdiagnose bei Männern.
Was vor dem Biologikum steht
Biologika sind nicht der erste Schritt. Vorher stehen:
- die Einordnung des Schweregrads über die Hurley-Stadien und den IHS4
- topische und systemische Therapien, darunter die Kombination aus Clindamycin und Rifampicin — mit dem bekannten Problem der Antibiotikaresistenz
- chirurgische Verfahren wie Deroofing und die Exzision
- Laser- und energiebasierte Verfahren: Nd:YAG, IPL und Radiofrequenz
Und ein Faktor, der die Erkrankung stärker beeinflusst als fast jede Therapie: Rauchen und HS.
Was man im Blick behalten muss
Die Erkrankung bringt eigene Risiken mit sich, die über die Haut hinausgehen: Komorbiditäten und, bei sehr lang bestehenden Verläufen, das Karzinomrisiko.
Was Biologika an Vorbereitung verlangen — Screening auf chronische Infektionen, Impfstatus, Laborkontrollen —, gilt hier wie bei allen immunmodulierenden Therapien.