- Beleglage:Leitlinie
Einstieg
Was bei kreisrundem Haarausfall nicht hilft
Die S3-Leitlinie spricht neun Negativempfehlungen aus. Wer sie kennt, spart Geld und Zeit — und erkennt ein unseriöses Angebot am Namen des Verfahrens.
Quellenlage geprüft am 24. August 2026.
Bei einer Erkrankung, die schubweise verläuft und bei der Haare auch spontan wiederkommen, lässt sich fast alles als Erfolg verkaufen. Die deutsche S3-Leitlinie zur Alopecia areata ist deshalb an einer Stelle besonders nützlich: bei dem, wovon sie abrät.
Hier die Übersicht — sortiert nach der Deutlichkeit.
„Soll nicht angeboten werden”
Die stärkste Negativform des Regelwerks. Sie bedeutet in der Lesart der Leitlinie: alle oder fast alle informierten Menschen würden sich dagegen entscheiden.
Topische JAK-Inhibitoren — also JAK-Cremes und -Lösungen auf die Kopfhaut. Nicht zu verwechseln mit den oralen, die empfohlen werden. Der Grund: Vier von acht registrierten klinischen Studien wurden wegen mangelnder Wirksamkeit vorzeitig abgebrochen; die Ruxolitinib-Creme unterschied sich nach 24 Wochen nicht vom Vehikel. Details: Topische JAK-Inhibitoren.
PRP bei Kindern und Jugendlichen. Bei Erwachsenen spricht die Leitlinie weder dafür noch dagegen eine Empfehlung aus; bei Kindern rät sie in der stärksten Form ab — wegen der multiplen Injektionen, der Schmerzhaftigkeit und fehlender Wirksamkeitsdaten. Details: PRP gegen Haarausfall.
Prostaglandin-F2α-Analoga auf der Kopfhaut — die Wirkstoffgruppe der Wimpernseren. Für die Wimpern gibt es eine offene Empfehlung, für die Kopfhaut eine klare Absage. Details: Prostaglandin-Analoga am Haar.
Kontakt-Immuntherapie bei milder Form. Bei moderater bis schwerer Ausprägung kann sie angeboten werden, bei milder nicht — Aufwand und Nebenwirkungsprofil stehen in keinem Verhältnis. Details: Die Behandlung, die absichtlich ein Ekzem erzeugt.
„Sollte nicht angeboten werden”
Die schwächere Negativform.
UVA1-Phototherapie, für alle Formen und alle Altersgruppen. In einer Studie mit 22 Personen ergab sich nach bis zu 75 Sitzungen eine mittlere Verbesserung im SALT-Score von 2,6 Punkten.
PUVA-Therapie, ebenfalls für alle Formen — allerdings mit einer Besonderheit: Diese Empfehlung trägt nur „mehrheitliche Zustimmung”, also 50 bis 75 Prozent, nicht den starken Konsens. Die Gruppe war sich uneinig. Details: UVA1 und PUVA bei Alopecia areata.
Systemische Kortikosteroide bei milder Form bei Erwachsenen sowie bei milder und moderater Form bei Kindern und Jugendlichen. Warum sie überhaupt eine begrenzte Rolle haben: Systemische Kortikosteroide.
Ciclosporin A bei milder und moderater Form in allen Altersgruppen, TNF-α-Inhibitoren über alle Schweregrade hinweg und Glycyrrhizin ebenfalls über alle Schweregrade — jeweils in der stärksten Negativform.
„Keine Empfehlung möglich”
Nicht dasselbe wie ein Nein. Hier fehlt schlicht die Grundlage:
- Dithranol — offene Empfehlung über alle Schweregrade
- Excimer-Laser und Excimer-Licht haben als einziges Lichtverfahren eine offene Empfehlung; für alle übrigen Laser- und Low-Level-Lasersysteme gibt die Leitlinie ausdrücklich keine Empfehlung ab. Details: Laserhaube gegen Haarausfall
- Dupilumab und andere monoklonale Antikörper — keine Empfehlung über alle Schweregrade
- Azathioprin — ebenso
Und das Naheliegende
Zwei Dinge, die in Beratungsgesprächen regelmäßig vorkommen und die die Leitlinie ausdrücklich einordnet:
Eisenmangel und Impfungen stehen in der Tabelle der Faktoren ohne prognostische Bedeutung für das Therapieansprechen.
Der morgendliche Cortisolspiegel ist laut Leitlinie kein nützlicher Test bei Menschen, die glauben, Stress habe eine Episode ausgelöst. Und eine Virusserologie ohne konkreten Infektionsverdacht soll nicht bestimmt werden. Details: Labordiagnostik bei Alopecia areata.
Was stattdessen
Für Erwachsene mit schwerer Form: orale JAK-Inhibitoren. Bei umschriebenem Befall: die intraläsionale Kortikosteroid-Injektion. Und zuerst überhaupt die Frage, welche Form vorliegt: Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall.