- Beleglage:Zulassungsstand
- Status:In Deutschland zugelassen
Regulatorik
Baricitinib bei Alopecia areata: jetzt auch für Jugendliche ab zwölf
Die EU-Zulassung von Baricitinib bei schwerer Alopecia areata gilt nicht mehr nur für Erwachsene. Was die aktuelle Fachinformation für Jugendliche ausweist — und was sie offenlässt.
Quellenlage geprüft am 1. Oktober 2026.
Eine Vorbemerkung zum Bestand
Mehrere Seiten dieses Magazins halten fest, Baricitinib sei bei Alopecia areata nur für Erwachsene ab 18 zugelassen. Das war der Stand bei der Recherche, ist es aber nicht mehr: Die auf der EMA-Seite abrufbare Fachinformation (Seitenstand 17.09.2026) nennt als Indikation die schwere Alopecia areata „bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren”. Die betroffenen Seiten wurden mit diesem Beitrag angepasst. Das Datum der Kommissionsentscheidung zur Erweiterung ließ sich in den gelesenen Primärdokumenten nicht ablesen; es wird deshalb hier nicht genannt.
Was die Fachinformation festlegt
- Indikation: schwere Alopecia areata bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren.
- Dosis bei Jugendlichen: 4 mg einmal täglich bei einem Körpergewicht ab 30 kg. Eine Dosis von 2 mg täglich soll erwogen werden, wenn mit 4 mg eine anhaltende Krankheitskontrolle erreicht ist und eine Dosisreduktion infrage kommt.
- Dauer: Nach einem stabilen Ansprechen wird empfohlen, die Behandlung mindestens einige Monate fortzusetzen, um einen Rückfall zu vermeiden. Wer nach 36 Wochen keinen therapeutischen Nutzen zeigt, bei dem soll ein Abbruch erwogen werden.
- Nicht untersucht: Für Kinder unter 12 Jahren oder unter 30 kg Körpergewicht sind Sicherheit und Wirksamkeit bei Alopecia areata nicht belegt; Daten liegen nicht vor.
Die Studie hinter der Erweiterung
Die Fachinformation stützt die Jugend-Indikation auf eine einzige Phase-III-Studie, BRAVE-AA-PEDS: doppelblind, randomisiert, placebokontrolliert, 36 Wochen. Placebo, 2 mg und 4 mg Baricitinib wurden im Verhältnis 1:1:1 zugeteilt. Eingeschlossen waren Jugendliche von 12 bis unter 18 Jahren mit mindestens 30 kg, einer aktuellen Episode von mehr als sechs Monaten und einem Haarverlust von mindestens 50 % der Kopfhaut. Der placebokontrollierte Teil umfasste 257 Jugendliche, das mittlere Alter lag bei 14,7 Jahren, etwa 54 % hatten eine Alopecia universalis, und 52 % hatten zuvor mindestens eine systemische Therapie erhalten.
Primärer Endpunkt war ein SALT-Wert von höchstens 20, also mindestens 80 % Haarbedeckung der Kopfhaut, nach 36 Wochen:
| Endpunkt (Woche 36) | Placebo (n = 88) | 2 mg (n = 84) | 4 mg (n = 85) |
|---|---|---|---|
| SALT ≤ 20 | 4,5 % | 27,4 % | 42,4 % |
| SALT ≤ 20 (Woche 24) | 3,4 % | 16,7 % | 31,8 % |
| SALT ≤ 10 | 2,3 % | 21,4 % | 36,5 % |
Für beide Dosierungen war der Unterschied zu Placebo beim primären Endpunkt statistisch signifikant, mit Anpassung für Mehrfachtests. Augenbrauen und Wimpern wurden getrennt bewertet; dort wurde die Signifikanz ohne Anpassung für Mehrfachtests geprüft und ist deshalb vorsichtiger zu lesen. Die Studienergebnisse gelten für die Gruppe, die die Einschlusskriterien erfüllte; sie sagen nichts über Verläufe nach den 36 Wochen aus (eine Verlängerung über bis zu zwei Jahre läuft laut Fachinformation noch).
Sicherheit bei Jugendlichen
Nach der Fachinformation waren 245 Jugendliche der Studie mindestens einer Baricitinib-Dosis ausgesetzt, davon 85 im placebokontrollierten Teil unter 4 mg. Insgesamt sei das Sicherheitsprofil mit dem bei Erwachsenen vergleichbar gewesen; Akne (10,6 %) und Neutropenie (3,6 %) seien bei Jugendlichen häufiger aufgetreten als bei Erwachsenen. Für die Klassenwarnungen der JAK-Inhibitoren (Infektionen, Thrombosen, Herz-Kreislauf-Ereignisse, Malignome) gilt weiterhin die gesamte Fachinformation; sie wurden hier nicht erneut ausgewertet. Siehe dazu JAK-Inhibitoren gegen kreisrunden Haarausfall und den Rote-Hand-Brief zu Ritlecitinib, der die Klassenwarnung ausdrücklich bestätigt.
Was sich für Jugendliche ändert
Die S3-Leitlinie sagt, eine systemische Therapie mit JAK-Inhibitoren kann Kindern und Jugendlichen mit schwerer und sehr schwerer AA „bei entsprechender Zulassung in Hinblick auf die Altersgruppe” angeboten werden. Diese Zulassung liegt für Jugendliche ab 12 Jahren damit nun bei zwei Wirkstoffen vor: Ritlecitinib (EU-weit seit 15.09.2023) und Baricitinib. Auch Upadacitinib wird nach den Angaben im Bestand für Jugendliche geführt; Details siehe dort. Ob und wie die Leitlinie diese Wirkstoffe untereinander gewichtet, ist durch die Leitlinie in der gelesenen Fassung (September 2025) nicht abgebildet — sie ist älter als die Erweiterung.
Offen bleiben in diesem Beitrag ausdrücklich: Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung, Preise sowie ein Vergleich der Wirkstoffe in dieser Altersgruppe. Dazu wurde keine Primärquelle ausgewertet. Die Entscheidung über eine systemische Therapie bei einem Kind oder Jugendlichen gehört in die Hand einer Dermatologin oder eines Dermatologen; eine ärztliche Prüfung dieses Textes hat nicht stattgefunden.
Siehe auch: Wenn das Kind kreisrunden Haarausfall bekommt.