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GLABRIOÄsthetische Medizin und Hautpflege für Männer

Lexikon · Klinik

Alopecia areata

Autoimmuner Haarausfall in scharf begrenzten Herden. Nicht zu verwechseln mit dem anlagebedingten Haarausfall — Ursache, Verlauf und Therapie sind andere.

Auch: AA · kreisrunder Haarausfall · ICD-10 L63

SALT-Score: Gewichtung der Kopfhautquadranten und die vier SchweregradeZwei Balken auf derselben Prozentskala von null bis hundert. Der obere zeigt, wie die vier Kopfhautquadranten in den Score eingehen: linke Seite achtzehn Prozent, rechte Seite achtzehn Prozent, Oberseite vierzig Prozent, Rückseite vierundzwanzig Prozent. Der untere zeigt die Schweregrade der Leitlinie: mild unter fünfundzwanzig, moderat fünfundzwanzig bis neunundvierzig, schwer über fünfzig bis fünfundsiebzig, sehr schwer sechsundsiebzig bis hundert.Woraus sich der Score zusammensetzt18 %links18 %rechts40 %Oberseite24 %RückseiteDie Oberseite wiegt am schwersten — ein Herd dort verändert den Score stärker.0255075100 %Schweregrad nach der Leitliniemildunter 25moderat25 – 49schwerüber 50 – 75sehr schwer76 – 100
Woraus sich der SALT-Score zusammensetzt — und ab welchem Wert die Leitlinie von schwerer Alopecia areata spricht.Die Lücken zwischen den Schweregradbalken sind keine Zeichenfehler: Die Leitlinie nennt „25 bis 49" und „über 50 bis 75", der Wert 50 fällt zwischen beide Formulierungen. Wir zeigen es, wie es dasteht.Quelle: S3-Leitlinie Alopecia areata 013-104, Langversion 1.0 (18.09.2025)

Was es ist

Die deutsche S3-Leitlinie fasst es in einem konsensbasierten Statement zusammen:

Bei der AA handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die mit einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität und erheblichen psychosozialen und somatischen Begleiterkrankungen einhergehen kann.

Das ist der entscheidende Unterschied zur androgenetischen Alopezie: Dort schrumpft der Haarfollikel hormonell gesteuert über Jahre. Hier greift das Immunsystem den Follikel an — in Schüben, oft plötzlich, und grundsätzlich reversibel, weil der Follikel nicht zerstört wird.

Betroffen sein kann jede behaarte Kopf- oder Körperstelle: Kopfhaut, Augenbrauen, Wimpern, Bart, Scham- oder Achselhaar. Dazu kommen Nagelveränderungen — typischerweise Tüpfelnägel, in schweren Fällen eine Trachyonychie. Ihre Häufigkeit schwankt zwischen 7 und 66 Prozent, im Mittel etwa 30 Prozent der Erkrankten. Sie können dem Haarausfall vorausgehen, Monate oder Jahre später auftreten und auch nach dem Nachwachsen der Haare fortbestehen.

Wie häufig, und bei wem

Für Deutschland liegen belastbare Zahlen aus Krankenkassendaten vor: Eine Auswertung einer repräsentativen 40-Prozent-Stichprobe aller Erwachsenen einer gesetzlichen Krankenkasse (n = 2,88 Millionen, 2016 bis 2020) ergab für 2020 eine Prävalenz von 210 Diagnosen je 100.000. Hochgerechnet auf die deutsche Bevölkerung waren das rund 170.000 Menschen. Neu diagnostiziert wurde die AA 2020 bei 72 je 100.000 — hochgerechnet etwa 70.000 Menschen.

Die Geschlechterverteilung ist altersabhängig, und der Befund fällt anders aus, als man erwarten würde:

AltersgruppeVerteilung
unter 40 JahreMänner etwas häufiger betroffen
ab 40 JahreFrauen häufiger (0,2 % gegenüber 0,1 %)
70 bis unter 80 JahreFrauen mehr als 6,5-mal so häufig

Für Männer heißt das: Die AA ist gerade in der Lebensphase relevant, in der man sie am wenigsten auf dem Zettel hat.

Weltweit liegt die geschätzte Lebenszeitprävalenz bei 0,10 Prozent (95-%-KI 0,03–0,39), in Westeuropa bei 0,14 Prozent — was etwa 8,3 Millionen Betroffenen entspricht.

Ein Detail zum Verlauf

Eine US-Analyse an Kindern (n = 336) fand die akuten Schübe zwischen April und August am seltensten. Der Anteil der Schübe von September bis März war bis zu dreimal so hoch — im November 11,4 Prozent, im Mai 3,5 Prozent. Ob sich das auf Erwachsene übertragen lässt, sagt die Leitlinie nicht.

Begleiterkrankungen

Die deutschen Kassendaten weisen deutlich erhöhte relative Risiken aus, jeweils bezogen auf eine Prävalenz unter drei Prozent in der Gesamtbevölkerung:

  • atopische Dermatitis: RR 2,9 (95-%-KI 2,7–3,2)
  • Pruritus: RR 2,7 (95-%-KI 2,4–3,1)
  • Lupus erythematodes: RR 2,4 (95-%-KI 1,7–3,0)
  • Urtikaria: RR 2,3 (95-%-KI 1,9–2,7)

Bezogen auf die Erkrankten selbst nennt die Leitlinie Angstzustände bei 8 Prozent, atopische Dermatitis bei 5 Prozent und Autoimmunthyreosen bei 4 Prozent.