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Einstieg
Perücke und Haarersatz: was es gibt und wie man drankommt
Vier Produktarten stehen im Hilfsmittelverzeichnis. Was davon wem zusteht, ist eine eigene Geschichte — aber der erste Schritt ist derselbe.
Quellenlage geprüft am 24. August 2026.
Bei ausgedehntem Haarverlust ist die Perücke kein kosmetisches Zubehör. Die deutsche S3-Leitlinie zur Alopecia areata ordnet sie deutlich ein:
Die Möglichkeit durch eine Perücke, das Gefühl von Haaren auf dem Kopf zu haben, ist für viele Betroffene mit ausgeprägter AA als Sofortmaßnahme unerlässlich. So können Patientinnen und Patienten am sozialen Leben teilnehmen, ohne direkt angesprochen oder stigmatisiert zu werden.
Eine zitierte Übersichtsarbeit zeigt, dass das Tragen von Perücken und Haarteilen die Lebensqualität verbessert, weil es Selbstvertrauen und wahrgenommene Kompetenz steigert.
Was es gibt
Im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherung nach § 139 SGB V sind unter der Produktgruppe 34 vier Produkte des Haarersatzes gelistet:
- Kunsthaar oder Echthaar
- Vollperücke
- Teilbereichsperücke
- individuell gefertigter Haarersatz
Die Teilbereichsperücke ist dabei die Option, die bei umschriebenem Befall am seltensten bekannt ist — sie deckt nur das betroffene Areal.
Wie man drankommt
Zwei Wege nennt die Leitlinie:
Gesetzlich Versicherte finden in Deutschland zugelassene Perückenstudios auf der Homepage ihrer Krankenkasse oder über die Hilfsmittelzentren der Krankenkasse.
Und: Der Alopecia Areata Deutschland e. V. führt eine deutschlandweite Übersicht von Fachgeschäften zum Haarersatz auf seiner Homepage.
Wichtig unabhängig vom Anspruch:
Selbst wenn das Hilfsmittelverzeichnis in seinen Ausführungen einen Anspruch auf eine Versorgung vorsieht, kann eine Versorgung jedoch erst nach Genehmigung der Krankenkasse erfolgen.
Der Antrag ist also in jedem Fall der erste Schritt — nicht der Kauf.
Wem was zusteht
Bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres besteht bei vorliegender Indikation ein Anspruch, unabhängig vom Geschlecht.
Danach unterscheidet das Verzeichnis zwischen Männern und Frauen — mit einer Begründung, die auf einem Urteil des Bundessozialgerichts beruht und die die Leitlinie selbst für gesetzeswidrig hält. Die vollständige Analyse samt Wortlaut: Perücke auf Kassenkosten.
Der Nebensatz, auf den es dabei ankommt, betrifft ausgerechnet die Beteiligung von Wimpern, Augenbrauen und Barthaaren — und die ist bei Alopecia areata häufig gegeben. Siehe Wenn die Augenbrauen ausfallen und Wenn der Bart Lücken bekommt.
Was daneben steht
Die Leitlinie führt neben dem Haarersatz auch Wimpern- und Augenbrauenersatz als eigenen Punkt — und kosmetische Angebote als eigenes Kapitel. Das ist keine Nebensache: Wenn zwei der stärksten Empfehlungen der ganzen Leitlinie die Information über psychologische Unterstützung und Selbsthilfeangebote betreffen, gehört die Kaschierung in dieselbe Kategorie. Siehe Haarausfall und Psyche.
Und die Behandlung
Sie läuft parallel weiter. Eine Perücke ist eine Sofortmaßnahme, keine Alternative zur Therapie. Was wann in Frage kommt: Der Fahrplan.
Und der Hinweis, der bei rasierter oder schütter behaarter Kopfhaut dazugehört — sie ist Haut wie jede andere und trägt die höchste UV-Dosis des Körpers: Die Kopfhaut, die niemand pflegt.