- Beleglage:Leitlinie
Einstieg
Der erste Termin beim Haarausfall: was passiert und was nicht
Zwei Untersuchungen, ein Blick auf die Nägel, ein knappes Labor. Die Leitlinie beschreibt einen Ablauf, der deutlich schlanker ist als das, was viele erwarten.
Quellenlage geprüft am 24. August 2026.
Wer wegen Haarausfall zum ersten Mal in eine Praxis geht, rechnet oft mit einem umfangreichen Blutbild. Die deutsche S3-Leitlinie beschreibt einen anderen Ablauf — und einer der nützlichsten Sätze darin sagt, was nicht gemacht werden soll.
Was Sie mitbringen sollten
Nicht viel, aber das Richtige:
- Seit wann — Wochen oder Jahre macht den Unterschied zwischen zwei verschiedenen Erkrankungen.
- In welchem Muster — scharf begrenzte Stellen oder allmähliche Lichtung.
- Wo noch — Augenbrauen, Wimpern, Bart, Körperbehaarung.
- Die Nägel — Tüpfel oder Rillen sind ein eigener Befund.
Diese vier Angaben enthalten bereits den größten Teil der Diagnose. Warum: Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall.
Und ein Missverständnis, das die Leitlinie ausdrücklich ausräumt: Haarewaschen oder Bürsten vor dem Termin beeinflusst die Aussagekraft nicht. Man muss also nicht mit ungewaschenem Haar erscheinen.
Schritt eins: die Trichoskopie
Die Dermatoskopie der Kopfhaut — nichtinvasiv, in Minuten erledigt. Ihre wichtigste Leistung nennt die Leitlinie zuerst: die Unterscheidung zwischen nicht vernarbenden und vernarbenden Haarerkrankungen. Also zwischen einer Situation, in der Haare nachwachsen können, und einer, in der der Follikel verloren ist.
Empfohlen wird zunächst eine trockene Untersuchung, um Schuppen und perifollikuläre Keratosen nicht zu übersehen; erst danach folgt Immersionsöl oder Desinfektionsspray.
Nur ein Befund ist beweisend für die Alopecia areata: Ausrufezeichenhaare am aktiven Rand eines Herdes. Alle anderen — gelbe Punkte, schwarze Punkte, abgebrochene Haare — kommen auch bei anderen Erkrankungen vor. Die vollständige Befundtabelle: Trichoskopie.
Schritt zwei: der Haarzupftest
Ein Büschel von 50 bis 60 Haaren wird kopfhautnah gefasst und mäßig in Wuchsrichtung gezogen — am Rand des Herdes und auf der kontralateralen, klinisch nicht betroffenen Seite.
| Ergebnis | Bedeutung |
|---|---|
| ab 10 % der erfassten Haare epiliert | aktive Erkrankung |
| weniger als zwei Haare | „normales” Ausfallen |
Der aufschlussreichste Befund ist der an der scheinbar gesunden Seite: Ein positiver Test dort kann auf eine fortschreitende Erkrankung mit diffusem Verlauf hinweisen. Details: Haarzupftest.
Schritt drei: der Rest des Körpers
Die Leitlinie fasst zusammen, worauf es bei der Schwerebeurteilung ankommt: die Berechnung des SALT-Scores, die Identifizierung anderer betroffener Areale und die Inspektion der Nägel.
Für Areale außerhalb der Kopfhaut gibt es ergänzende Skalen — der SALT-Score misst nur die Kopfhaut. Siehe Wenn die Augenbrauen ausfallen und Tüpfelnägel.
Was das Labor beitragen kann — und was nicht
Es gibt bisher keine validierten Biomarker, die bei der Diagnose einer AA bestimmt werden können.
Empfohlen sind ein TSH-Screening auf eine Schilddrüsenerkrankung sowie bei Erwachsenen Differenzialblutbild, Nieren- und Leberfunktion. Die erweiterten Schilddrüsenwerte, ANA-Titer und Vitamin D nur bei spezifischer Indikation.
Und zwei ausdrückliche Absagen:
Eine infektionsserologische Untersuchung, insbesondere hinsichtlich virologischer Trigger, sofern es anamnestisch und klinisch orientierend keinen zusätzlichen Infektionsverdacht gibt, soll nicht bestimmt werden.
Der morgendliche Cortisolspiegel ist kein nützlicher Test bei Patientinnen und Patienten, die glauben, dass Stress eine AA-Episode ausgelöst haben könnte.
Details: Labordiagnostik bei Alopecia areata.
Was am Ende des Termins stehen sollte
Neben der Diagnose zwei Dinge, die die Leitlinie in der stärksten Form verlangt: die Information über psychologische Unterstützung und über Selbsthilfeangebote — unabhängig vom Alter und vom Schweregrad. Siehe Haarausfall und Psyche.
Und der Fahrplan für das, was danach kommt: Welche Behandlung wann.