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GLABRIOÄsthetische Medizin und Hautpflege für Männer
  • Beleglage:Zulassungsstand
  • Status:In der EU nicht zugelassen

Aus den USA

Latisse: Wimpernwuchs auf Rezept — und der deutsche Gegenbefund

Ein Glaukommittel, das Wimpern wachsen lässt, ist in den USA seit 2008 zugelassen. Für die Kopfhaut spricht die deutsche Leitlinie eine Negativempfehlung in der stärksten Form aus.

Von der GLABRIO-Redaktion2 Min. Lesezeit

Aktualisiert am 16. Oktober 2026. Quellenlage geprüft am 24. August 2026.

Manche Nebenwirkungen sind ein Geschäftsmodell. Als Patientinnen und Patienten unter Glaukomtropfen auffallend lange Wimpern bekamen, wurde daraus ein eigenes Präparat.

Der amerikanische Zulassungstext

Die FDA-Datenbank führt Latisse als NDA 022369, Erstzulassung am 24. Dezember 2008. Die Fachinformation ist so knapp wie eindeutig:

LATISSE® (bimatoprost ophthalmic solution) 0.03% is indicated to treat hypotrichosis of the eyelashes by increasing their growth including length, thickness and darkness.

Länge, Dichte und Farbe — es geht also nicht nur um mehr Wimpern, sondern auch um dunklere.

Bei der EMA existiert für Latisse keine EPAR-Seite (geprüft am 24.08.2026). Bimatoprost selbst ist in Europa als Glaukommittel verfügbar; für den Wimpernwuchs gibt es keine zentrale EU-Zulassung.

Was die deutsche Leitlinie dazu sagt

Hier wird es interessant, weil die deutsche S3-Leitlinie zur Alopecia areata genau diese Wirkstoffgruppe bewertet hat — Prostaglandin-F2α-Analoga wie Bimatoprost und Latanoprost. Und zwar mit einer klaren Trennung.

Für die Kopfhaut eine Negativempfehlung in der stärksten Form:

Die topische Anwendung von Prostaglandin-F2α-Analoga soll Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit allen Formen der AA zur Anwendung auf der Kopfhaut nicht angeboten werden.

Für die Wimpern dagegen eine offene Empfehlung — weder dafür noch dagegen. Die Leitlinie begründet das mit der Sonderlage: Die therapeutischen Optionen bei Wimpernverlust sind sehr begrenzt, und international besteht Konsens, dass diese Substanzen als topische Erstbehandlung bei Wimpern-AA verschrieben werden können.

Die Zahl dazu: In einer Studie zum Wimpernverlust bei Alopecia universalis erreichten unter Latanoprost 17,5 Prozent ein vollständiges Nachwachsen der Wimpern, in der unbehandelten Kontrollgruppe niemand.

Der Befund, der irritiert

Es gibt eine randomisierte Studie, die Bimatoprost an der Kopfhaut gegen ein topisches Kortikosteroid geprüft hat — Mometasonfuroat 0,1 % einmal täglich gegen Bimatoprost 0,3 % zweimal täglich, über drei Monate:

EndpunktBimatoprostMometasonfuroat
Haarnachwachsen48,9 %22,4 % (p = 0,001)
Rückfallrate4 %11,8 % (p = 0,03)

Bimatoprost war in beiden Endpunkten statistisch signifikant besser — und die Leitlinie rät für die Kopfhaut trotzdem in der stärksten Form ab.

Das ist kein Widerspruch, sondern der Unterschied zwischen einer Einzelstudie und einer Gesamtschau der Evidenz. Es ist aber ein Befund, den man im Kopf behalten sollte, wenn die Leitlinie fortgeschrieben wird. Die vollständige Einordnung: Prostaglandin-F2α-Analoga am Haar.

Die Nebenwirkung, die man nicht will

Die Leitlinie nennt bei dieser Wirkstoffgruppe unter anderem Haarwuchs an unerwünschten Stellen — konkret am Augenlid. Bei einem Mittel, das gezielt Haarwachstum auslöst, ist das keine Überraschung, aber es erklärt, warum die Applikation exakt am Wimpernkranz erfolgt und nicht großzügig.

Wer über Wimpernseren aus dem Ausland nachdenkt, sollte außerdem wissen: Die Wirkstoffklasse stammt aus der Glaukombehandlung. Was am Auge sonst noch passieren kann, steht in der jeweiligen Fachinformation — und die gehört gelesen, bevor bestellt wird. Zum Begriff: Fachinformation.

Anwendung, Studienzahlen und Sicherheitshinweise des US-Labels im Wirkstoff-Eintrag: Bimatoprost (Wimpern).

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