- Beleglage:Studienlage
- Status:In der EU nicht zugelassen
Wirkstoff
Bimatoprost (Wimpern)
Prostaglandin-Analogon als 0,03-%-Lösung für den Wimpernansatz (US: Latisse). In den USA bei Wimpern-Hypotrichose zugelassen; für die Kopfhaut rät die deutsche S3-Leitlinie in der stärksten Form ab.
Auch: Latisse
- Anwendung
- Äußerlich
- Verschreibung
- Rezeptpflichtig
- Wirkprinzip
- Bimatoprost ist laut US-Label ein strukturelles Prostaglandin-Analogon. Der genaue Mechanismus sei unbekannt; das Wimpernwachstum entstehe vermutlich dadurch, dass der Anteil der Haare in der Wachstumsphase und deren Dauer zunehmen.
- Dosis
- US-Label: einmal nächtlich ein Tropfen auf den mitgelieferten sterilen Einmalapplikator, gleichmäßig entlang des oberen Lidrands am Wimpernansatz auftragen; überschüssige Lösung abtupfen; für das andere Auge einen neuen Applikator; nicht am unteren Wimpernkranz. Mehr Anwendungen steigern das Wachstum laut Label nicht.
- Wirkeintritt
- Laut US-Label in der Zulassungsstudie: Besserung um mindestens eine Stufe auf der Global Eyelash Assessment bei 15 % (Woche 4), 50 % (Woche 8) und 78 % (Woche 16) gegenüber 8 %, 15 % und 18 % unter Vehikel.
- Häufige Nebenwirkungen
- Juckreiz am Auge, Bindehautrötung, Hautpigmentierung (je etwa 3 bis 4 %) · Augenreizung, Symptome trockenen Auges, Rötung um das Auge (unter 4 %)
- Nicht kombinieren mit
- Andere Prostaglandin-Analoga zur Augeninnendrucksenkung: Wirkung auf den Augeninnendruck kann beeinträchtigt werden; nur nach ärztlicher Rücksprache und mit Kontrolle (US-Label)
Ungeeignet, wenn: Laut US-Label gegenangezeigt bei Überempfindlichkeit gegen Bimatoprost oder einen Bestandteil. Vorsicht bei aktiver Entzündung im Augeninneren (etwa Uveitis) und bei Anwendung von Augeninnendrucksenkern aus derselben Gruppe. Eine zunehmende braune Verfärbung der Iris ist wahrscheinlich dauerhaft. Für die Kopfhaut bei Alopecia areata nach deutscher S3-Leitlinie nicht anzubieten.
Dieser Eintrag liest die US-Fachinformation von Latisse und ergänzt die Leitlinienaussage zur Kopfhaut aus dem Artikel Latisse: Wimpernwuchs auf Rezept — und der deutsche Gegenbefund. Zur europäischen Lage haben wir für diesen Eintrag nichts neu geprüft; Bimatoprost als Glaukommittel ist davon unberührt. Der Eintrag ist keine Therapieempfehlung.
Wofür das US-Label es zulässt
LATISSE® (bimatoprost ophthalmic solution) 0.03% is indicated to treat hypotrichosis of the eyelashes by increasing their growth including length, thickness and darkness.
Gemeint ist eine zu geringe Behaarung der Wimpern. Für die Kopfhaut oder Brauen enthält das Label keine Zulassung.
Was die Zulassungsstudie zeigt
Eine randomisierte, vehikelkontrollierte Studie mit 278 Erwachsenen (137 Bimatoprost, 141 Vehikel), vier Monate. Hauptziel: Besserung um mindestens eine Stufe auf der vierstufigen Global Eyelash Assessment (GEA) in Woche 16.
| Woche | Bimatoprost | Vehikel |
|---|---|---|
| 4 | 15 % | 8 % |
| 8 | 50 % | 15 % |
| 12 | 69 % | 20 % |
| 16 | 78 % | 18 % |
Per Bildanalyse in Woche 16: Wimpernlänge im Mittel +1,4 mm (25 %) gegenüber +0,1 mm (2 %) unter Vehikel. Nach Therapieende kehrte der Effekt laut Label Richtung Ausgangswert zurück; bei längerem Absetzen sei ein Abklingen zu erwarten. Konfidenzintervalle nennt der gelesene Abschnitt nicht (Konfidenzintervall).
Was die deutsche Leitlinie zur Kopfhaut sagt
Die S3-Leitlinie Alopecia areata (013-104) formuliert für Prostaglandin-F2α-Analoga eine Negativempfehlung: Sie sollen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit allen Formen der Alopecia areata zur Anwendung auf der Kopfhaut nicht angeboten werden. Die Einordnung steht im Lexikon unter Prostaglandin-F2α-Analoga am Haar, die Abwägung im Artikel zu Latisse.
Sicherheit laut Label
- Iris: Zunehmende braune Pigmentierung der Iris, wahrscheinlich dauerhaft; sie kann erst nach Monaten bis Jahren auffallen. Langzeitfolgen seien nicht bekannt.
- Lid: Dunklere Haut um das Auge und an den Wimpern, laut Label in den meisten Fällen nach dem Absetzen rückläufig.
- Haarwuchs außerhalb: Wo die Lösung wiederholt auf die Haut gelangt, kann Haar wachsen; deshalb nur am oberen Lidrand auftragen und Überschuss abtupfen.
- Augeninnendruck: Wer Prostaglandin-Analoga gegen erhöhten Augeninnendruck verwendet, soll Latisse nur nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt nutzen.
- Nach Markteinführung gemeldet: unter anderem Verlust oder Brechen von Wimpern, Veränderungen um das Auge mit Fettgewebsschwund, vertiefter Lidfurche und Lidptose sowie verschwommenes Sehen.
Was offen bleibt
Nicht belegt in den gelesenen Quellen: Wirkung an den Augenbrauen oder im Bart, Vergleich mit anderen Wimpernprodukten, EU-Status von Wimpernpräparaten im Detail, Dauergebrauch über die Studiendauer hinaus, Preis.