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Einstieg

Was ein Shampoo gegen Haarausfall ausrichten kann

Koffein, Zinkpyrithion, Sägepalme: Die deutsche Leitlinie führt diese Stoffe auf — und sagt in einem Satz, was von ihnen zu erwarten ist.

Von der GLABRIO-Redaktion4 Min. Lesezeit

Quellenlage geprüft am 25. August 2026.

Im Drogeriemarkt steht eine ganze Regalreihe davon. Die Versprechen sind vorsichtig formuliert — „kräftigt das Haar”, „für vitale Haarwurzeln” — und genau diese Vorsicht ist der erste Hinweis darauf, was hier verkauft wird.

Die Frage, die sich jeder stellt, der die Flasche in der Hand hält, lässt sich beantworten. Nicht mit einer Meinung, sondern mit dem, was in der deutschen Leitlinie zum anlagebedingten Haarausfall steht.

Der Satz, um den es geht

Die S3-Leitlinie führt in einer Tabelle die Substanzen auf, denen ein Wirkmechanismus beim Haarwachstum zugeschrieben wird. Darunter stehen unter anderem Koffein, Melatonin, Sägepalmextrakt, grüner Tee, Ginkgo biloba, Zinkpyrithion, Ketoconazol, Biotin, Aminosäuren und die niederenergetische Lasertherapie.

Die zugehörige Therapieempfehlung besteht aus einem einzigen Satz:

Es gibt keine oder keine ausreichende Evidenz dafür, dass die in Tabelle 2 aufgeführten Substanzen bzw. Interventionen bei männlichen und weiblichen AGA-Patienten den Befund verbessern oder die Krankheitsprogression verhindern.

Das ist keine Warnung. Es ist auch kein Nachweis, dass diese Stoffe nichts tun. Es ist die Feststellung, dass die Belege fehlen, um es zu behaupten — und damit die Antwort auf die Frage, ob man sein Geld dort anlegen sollte.

Wichtig zur Einordnung: Diese Leitlinie stammt von 2011, ihre AWMF-Registrierung ist abgelaufen, und ein Nachfolger liegt im Register nicht vor. Wir zitieren sie deshalb ausdrücklich mit diesem Hinweis. Neuere Einzelstudien zu Koffein am Haarfollikel gibt es; eine deutschsprachige Leitlinie, die daraus eine Empfehlung ableitet, gibt es nicht.

Das Problem, das kein Wirkstoff löst

Es gibt einen zweiten Grund, skeptisch zu sein, und der ist unabhängig vom Wirkstoff: Ein Shampoo wird ausgespült.

Dieselbe Leitlinie beschreibt für Minoxidil — das topische Mittel, für das bei anlagebedingtem Haarausfall Belege vorliegen — sehr genau, wie es angewendet werden muss: zweimal täglich auf die trockene Kopfhaut aufgetragen und dort mindestens vier Stunden belassen.

Vier Stunden. Ein Shampoo hat, großzügig gerechnet, eine Minute. Wer glaubt, dass ein Wirkstoff in dieser Zeit durch die Hornschicht bis an den Haarfollikel gelangt und dort etwas ausrichtet, sollte sich fragen, warum das beim einzigen belegten Mittel dann vier Stunden dauert.

Eine Studie, die genau das geprüft hat

Die Leitlinie referiert einen Versuch, der die Frage direkt angeht: Eine Gruppe bekam Minoxidil-Lösung 5 % zweimal täglich plus ein Zinkpyrithion-Shampoo einmal täglich, die andere Minoxidil 5 % plus ein Placebo-Shampoo.

Das Ergebnis, in der Reihenfolge der Leitlinie: 6,2 Haare pro Quadratzentimeter Veränderung gegenüber dem Ausgangswert in der Shampoo-Gruppe, 12,3 in der Placebo-Shampoo-Gruppe. Die Leitlinie fasst zusammen, dass sich eine Überlegenheit der Kombination gegenüber der Minoxidil-Monotherapie nicht nachweisen ließ.

Das zusätzliche Shampoo hat also nichts hinzugefügt. Es stand in dieser Untersuchung sogar auf der niedrigeren Zahl — was eine einzelne Studie nicht zu einem Beweis in die Gegenrichtung macht, aber die Erwartung ordentlich zurechtrückt.

Wofür ein Shampoo tatsächlich zuständig ist

Damit ist nicht gesagt, dass Haarwäsche egal wäre. Sie ist nur für etwas anderes zuständig: für die Kopfhaut. Schuppen, Juckreiz, ein seborrhoisches Ekzem, eine gereizte Kopfhaut unter der Minoxidil-Anwendung — das sind reale Probleme mit realen Mitteln.

Und die Kopfhaut ist der Teil des Kopfes, den Männer am zuverlässigsten vergessen — auch dermatologisch. Mehr dazu unter Die Kopfhaut, die niemand pflegt.

Was Sie stattdessen wissen wollen

Bevor irgendein Produkt eine Rolle spielt, steht eine andere Frage an: Was für ein Haarausfall ist es überhaupt? Anlagebedingt, kreisrund oder diffus — die drei verhalten sich unterschiedlich und werden unterschiedlich behandelt. Der Einstieg dazu steht unter Haarausfall: die drei Formen, der Ablauf beim Arzt unter Der erste Termin.

Wenn es der anlagebedingte ist, liegen die Optionen mit Belegen offen auf dem Tisch, mit ihren jeweiligen Nachteilen:

Keine dieser Optionen ist so bequem wie eine Flasche im Duschregal. Das ist genau der Punkt.

Die Vokabel, an der man es erkennt

Ein letzter praktischer Hinweis für den Drogeriegang: Achten Sie darauf, was ein Produkt behaupten darf. Ein Kosmetikum darf pflegen und verschönern. Sobald ein Produkt beansprucht, eine Krankheit zu behandeln, wechselt es die rechtliche Kategorie — und damit die Anforderungen, die es erfüllen muss.

Deshalb heißt es „kräftigt das Haar” und nicht „wirkt gegen androgenetische Alopezie”. Die Formulierung ist kein Marketingzufall, sondern eine Grenzziehung. Wie man solche Wörter liest, steht unter Cosmeceutical: was das Wort bedeutet und im Lexikoneintrag zum Heilmittelwerbegesetz.

Quellen

  1. S3-Leitlinie Androgenetische Alopezie bei Frauen und Männern, AWMF-Register-Nr. 013-047Leitlinie · gelesene Fassung: JDDG-Sonderdruck 2011; Registrierung abgelaufen · register.awmf.org

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