- Beleglage:Leitlinie
- Status:In Deutschland zugelassen
Analyse
Wulstige Narben: hypertroph oder Keloid — der Unterschied entscheidet
Beide Narbentypen erheben sich über die Haut, aber nur einer bleibt in den Grenzen der ursprünglichen Wunde. Was das für die Wahl des Verfahrens bedeutet.
Quellenlage geprüft am 24. August 2026.
Erhabene Narben nach Akne, Operation oder Verletzung sind eines der häufigsten Anliegen bei Männern — und eines, bei dem die Bezeichnung über die Behandlung entscheidet.
Der Unterschied
Eine hypertrophe Narbe bleibt innerhalb der Grenzen der ursprünglichen Wunde. Sie ist erhaben, oft gerötet, und sie hat die Neigung, sich über Monate bis Jahre von selbst zurückzubilden.
Ein Keloid wächst über die ursprüngliche Wunde hinaus in die gesunde Haut. Es bildet sich nicht spontan zurück und neigt nach Entfernung zum Wiederkommen — oft größer als zuvor.
Das ist keine Feinheit für Fachleute. Es entscheidet darüber, ob eine Exzision sinnvoll ist oder das Problem vergrößert.
Was vorher geklärt wird
Die Leitlinie verlangt eine Blickdiagnose und gegebenenfalls eine Probeexzision zur differenzialdiagnostischen Abgrenzung gegenüber proliferierenden Dermatosen — also Tumoren. Eine wachsende, feste Erhabenheit ist nicht automatisch eine Narbe.
In der Vorbereitungsliste der Leitlinie stehen außerdem drei Fragen, die auch für andere Laserbehandlungen gelten: Keloidneigung? Erhöhtes Pigmentierungsrisiko oder Melasma? Neigung zu Herpes?
Die Empfehlungen bei hypertrophen Narben
Sie sind danach sortiert, was an der Narbe stört.
Wenn die Rötung stört:
| Verfahren | Empfehlung |
|---|---|
| Farbstofflaser 585/595 nm, besonders bei frischen, stärker vaskularisierten Narben | kann empfohlen werden (100 %) |
| IPL alternativ zum Farbstofflaser | kann erwogen werden (100 %) |
| Nd:YAG bei dickeren Keloiden und dunkleren Hauttypen, wegen der tieferen Eindringtiefe | kann erwogen werden (100 %) |
Wenn das Relief stört — und die Narbe inaktiv ist:
| Verfahren | Empfehlung |
|---|---|
| CO₂-Laser fraktioniert, für inaktive lineare und flächige Narben | kann empfohlen werden (100 %) |
| Er:YAG fraktioniert, als Zweitlinientherapie | kann empfohlen werden (100 %) |
| 1.540–1.550 nm fraktioniert im Rahmen einer Kombinationsbehandlung | kann empfohlen werden (100 %) |
Das Wort inaktiv ist dabei die entscheidende Bedingung: Eine noch gerötete, sich verändernde Narbe wird anders behandelt als eine ausgereifte.
Die Aufklärungspunkte
Dieselben vier wie bei den atrophen Narben:
- Gefahr der postinflammatorischen Hyperpigmentierung und von Depigmentierungen, besonders bei den Hauttypen IV bis VI und bei sonnengebräunter Haut
- Nichtansprechen
- mehrere Sitzungen
- Unzufriedenheit mit dem kosmetischen Ergebnis
Was der Laser nicht allein leistet
Die Leitlinie verweist für hypertrophe Narben ausdrücklich auf eine eigene Leitlinie, deren Empfehlungen sie nur weiter spezifiziert. Der Laser ist also ein Baustein, nicht das ganze Konzept — daneben stehen Druck, Silikon, intraläsionale Injektionen und operative Verfahren. Siehe hypertrophe Narben und Keloide lasern.
Für Männer relevant ist noch ein Sonderfall: Narben nach chirurgischer Therapie bei Hidradenitis suppurativa und nach sekundärer Wundheilung — dort sind Ausdehnung und Verlauf andere. Siehe Hidradenitis: die Unterdiagnose bei Männern.
Und wenn man Narben von vornherein vermeiden will, gibt es dafür einen eigenen Ansatz: Narbenprophylaxe mit Botulinumtoxin.