- Beleglage:Leitlinie
- Status:In Deutschland zugelassen
Einstieg
Aknenarben: was die Leitlinie empfiehlt — und was sie ausschließt
Vier Laserverfahren werden bei atrophen Narben empfohlen, drei davon mit der stärksten Empfehlung. Entscheidend ist aber ein anderer Satz: über realistische Therapieziele.
Quellenlage geprüft am 24. August 2026.
Aknenarben sind für viele Männer der eigentliche Anlass, zum ersten Mal über ästhetische Medizin nachzudenken — oft Jahre nach der Akne selbst. Die deutsche Leitlinie zur Lasertherapie behandelt sie unter „atrophe Narben” und ist dabei ungewöhnlich konkret. Auch bei dem, was sie einschränkt.
Der Satz, der vor allem anderen kommt
In der Liste der Punkte, über die vor der Behandlung aufzuklären ist, steht:
Aufklärung über realistische Therapieziele (meist keine restitutio ad integrum möglich).
Übersetzt: Eine vollständige Wiederherstellung ist in aller Regel nicht erreichbar. Ebenfalls in derselben Liste: Nichtansprechen, mehrere Sitzungen, und ausdrücklich auch „Unzufriedenheit mit dem kosmetischen Ergebnis”.
Das ist keine Absage an das Verfahren. Es ist der Maßstab, an dem sich ein Beratungsgespräch messen lässt: Wer diese Punkte nicht von sich aus anspricht, hält sich nicht an die Leitlinie.
Was empfohlen wird
Die Empfehlungen sind nach der Frage geordnet, was an der Narbe stört — Relief oder Rötung.
| Verfahren | Wofür | Stärke |
|---|---|---|
| 1.540–1.550 nm fraktioniert, nicht ablativ (Er:Glass, Diode) | Relief, bei bevorzugt kurzer Ausfallzeit | wird empfohlen (100 %) |
| 10.600 nm CO₂-Laser, fraktioniert | Relief | wird empfohlen (100 %) |
| Farbstofflaser, gepulst | erythematöse Anteile der Narbe | wird empfohlen (100 %) |
| IPL | erythematöse Anteile der Narbe | wird empfohlen (100 %) |
| 2.940 nm Er:YAG, fraktioniert | Relief | kann empfohlen werden (100 %) |
Bemerkenswert an dieser Tabelle: Alle fünf Empfehlungen wurden mit 100 Prozent Zustimmung verabschiedet. Uneinigkeit gibt es hier nicht — wohl aber unterschiedliche Zielgrößen. Wer eine gerötete Narbe hat, braucht ein anderes Gerät als jemand mit eingesunkenem Relief.
Zum Prinzip dahinter: Was ein Laser mit der Haut macht und fraktionierte Photothermolyse.
Die Einschränkung nach Hauttyp
Hier wird die Leitlinie deutlich, und der Punkt betrifft einen erheblichen Teil der Patienten:
Patienten mit dunkleren Hauttypen (IV–VI) sollten wegen des erhöhten Risikos von postinflammatorischer Hyperpigmentierung oder Depigmentierungen nicht mit ablativen Lasern behandelt werden. Sollte eine Behandlung erwogen werden, ist eine vorherige Probelaserung im Behandlungsareal sinnvoll.
Auch stark vorgebräunte Haut fällt darunter — die Empfehlung lautet zurückhaltende Behandlung wegen der Gefahr von Hypopigmentierung. Der Fitzpatrick-Hauttyp gehört deshalb an den Anfang der Planung, nicht ans Ende.
Was passieren kann, wenn es schiefgeht: postinflammatorische Hyperpigmentierung.
Vorher und nachher
Vorher verlangt die Leitlinie eine differenzialdiagnostische Einordnung — Blickdiagnose, gegebenenfalls eine Probeexzision zum Ausschluss atrophierender Erkrankungen. Nicht jede eingesunkene Stelle ist eine Narbe.
Nachher gilt: Lichtschutz mit LSF 50+ oder Verschattung durch Kleidung und vier Wochen Vermeidung von UV-Strahlung — Sonne wie Solarium. Für Männer mit Narben an Wangen und Kiefer heißt das praktisch: Die Behandlung gehört nicht in den Frühsommer. Mehr unter Nachbehandlung nach Laser.
Und der Zeitpunkt
Die zweite Frage, die vor jeder Narbenbehandlung steht, betrifft eine vorangegangene Aknetherapie: Nach systemischem Isotretinoin gilt eine verbreitete Sechs-Monats-Regel. Die europäische Aknelleitlinie hält sie für überdenkenswert — und sagt auch, worauf sie ursprünglich beruht. Die Analyse: Sechs Monate warten nach Isotretinoin?
Wer noch aktive Akne hat, behandelt zuerst die — Narben, die noch entstehen, lassen sich nicht sinnvoll behandeln. Siehe Akne mit 35 und Der Aknealgorithmus 2025.
Die Fragen für das Gespräch
- Relief oder Rötung — was wird bei mir behandelt? Davon hängt das Gerät ab.
- Welcher Hauttyp, und was heißt das für die Wahl?
- Gibt es eine Probelaserung?
- Wie viele Sitzungen sind realistisch, und was ist das erwartbare Ergebnis?
Die vierte Frage ist die, an der die Leitlinie selbst am meisten hängt.