- Beleglage:Zulassungsstand
- Status:In Deutschland zugelassen
Wirkstoff
Alfatradiol
Topisches Estradiol-Stereoisomer gegen leichte androgenetische Alopezie. Apothekenpflichtig, nicht rezeptpflichtig — seit 1996 in Deutschland zugelassen und im Bestand bislang nicht vertreten.
Auch: 17α-Estradiol · Ell-Cranell alpha
- Anwendung
- Äußerlich
- Verschreibung
- Frei verkäuflich
- Wirkprinzip
- Alfatradiol ist ein Stereoisomer des weiblichen Sexualhormons 17β-Estradiol, hat aber nur sehr geringe Affinität zum Estrogenrezeptor (relative uterotrope Potenz 1,5 bis 5 Prozent von 17β-Estradiol laut Fachinformation). Angenommener Wirkmechanismus ist eine Hemmung der Testosteron-5-Alpha-Reduktase in der Haut; in vitro antagonisiert es die hemmende Wirkung von Testosteron und Dihydrotestosteron an menschlichen Anagenhaarfollikeln.
- Dosis
- 3 ml Lösung einmal täglich mittels Kopfhaut-Applikator; nach Besserung Anwendung auf jeden zweiten bis dritten Tag reduzierbar. Keine klinischen Daten zu einer Anwendung über 1 Jahr hinaus.
- Wirkeintritt
- Die Fachinformation nennt eine klinisch gezeigte Zunahme der Anagenhaarrate im frontoparietalen Bereich gegenüber Placebo, ohne Prozentangabe und ohne Vergleich zu Minoxidil oder Finasterid.
- Häufige Nebenwirkungen
- unangenehme Hautempfindungen (häufig, laut Fachinformation bei knapp 7 Prozent) · kurzfristiges Brennen, Rötung und Juckreiz der Kopfhaut (nach Markteinführung berichtet)
Ungeeignet, wenn: eine fortgeschrittene androgenetische Alopezie vorliegt — zugelassen ist Alfatradiol nur für die leichte Ausprägung —, während Schwangerschaft und Stillzeit, oder bei Personen unter 18 Jahren, für die keine Daten vorliegen.
Eine dritte zugelassene Option — mit einer wichtigen Einschränkung
Für die androgenetische Alopezie sind in Deutschland gemeinhin zwei Wirkstoffe bekannt: topisches Minoxidil und Finasterid. Ein dritter, deutlich weniger bekannter Wirkstoff ist seit 1996 zugelassen: Alfatradiol, ein Stereoisomer des weiblichen Sexualhormons 17β-Estradiol, unter dem Markennamen Ell-Cranell alpha.
Die Einschränkung steht im ersten Satz der Fachinformation: Zugelassen ist Alfatradiol „zur Steigerung der verminderten Anagenhaarrate bei der leichten androgenetischen Alopezie” — bei Männern und Frauen. Für fortgeschrittenen Haarausfall ist es nicht die richtige Wahl.
Warum ein Estrogen-Stereoisomer gegen einen androgenen Prozess
Das klingt zunächst widersprüchlich: Androgenetische Alopezie wird durch Dihydrotestosteron getrieben, nicht durch einen Estrogenmangel. Der Grund, warum Alfatradiol trotzdem wirkt, liegt laut Fachinformation an seiner sehr geringen Bindung an den Estrogenrezeptor — die eigentliche Aktivität wird der Hemmung der 5-Alpha-Reduktase in der Haut zugeschrieben, nicht einer hormonellen Wirkung im eigentlichen Sinn. Damit setzt es am selben Enzym an wie Finasterid, allerdings topisch und mit einem strukturell völlig anderen Molekül.
Eine wichtige Konsequenz aus der geringen, aber nicht null Estrogenaktivität: Die Fachinformation geht davon aus, dass praktisch die gesamte aufgetragene Menge systemisch resorbiert werden kann — Blutspiegeldaten nach topischer Anwendung liegen nicht vor. Bei Schwangerschaft und Stillzeit soll Alfatradiol deshalb nicht angewendet werden, obwohl keine spezifischen Erfahrungen dazu vorliegen.
Was die Studienlage hergibt — und was nicht
Die Fachinformation verweist auf eine placebokontrollierte klinische Prüfung mit einer „deutlichen Zunahme der Anagenhaarrate im frontoparietalen Bereich ohne geschlechtsspezifischen Unterschied gegenüber Placebo” — nennt dazu aber keine Prozentzahlen und keinen direkten Vergleich zu Minoxidil oder Finasterid. Wer eine quantitative Einordnung sucht, findet in der öffentlich zugänglichen Fachinformation keine.
Nebenwirkungsprofil
Häufigste Nebenwirkung laut Fachinformation: unangenehme Hautempfindungen bei knapp 7 Prozent der Studienteilnehmer. Nach Markteinführung zusätzlich berichtet: kurzfristiges Brennen, Rötung und Juckreiz der Kopfhaut, Hautausschlag, Kopfschmerzen sowie — bei postmenopausalen Frauen — vaginale Blutungen. Die Kopfhaut kann unter der Anwendung fettiger werden.
Zu Wechselwirkungen wurden keine Studien durchgeführt.