Lexikon · Klinik
Tyndall-Effekt
Bläulich-graue Verfärbung durch zu oberflächlich platzierte Hyaluronsäure — eine Lichtstreuung, keine Durchblutungsstörung. Am häufigsten dort, wo die Haut am dünnsten ist: in der Tränenrinne.
Auch: Tyndall-Phänomen · Blau-graue Filler-Verfärbung
Kurzwelliges (blaues) Licht wird an kleinen Partikeln stärker gestreut als langwelliges — genau dieser physikalische Effekt, benannt nach dem irischen Physiker John Tyndall, erklärt die bläulich-graue Verfärbung, die nach Hyaluronsäure-Injektionen auftreten kann, wenn das Material zu oberflächlich unter dünner Haut zu liegen kommt. Am häufigsten betroffen ist die Tränenrinne, weil die Haut dort besonders dünn ist und kaum Unterhautfettgewebe als Puffer bietet.
Wichtig für die Einordnung: Der Tyndall-Effekt ist ein optisches Phänomen, keine Durchblutungsstörung — anders als bei einer vaskulären Okklusion ist die Rekapillarisierungszeit normal, es entsteht keine Gewebeschädigung. Er ist unschön, aber nicht gefährlich.
Laut Fachliteratur sind grundsätzlich alle Hyaluronsäure-Präparate dafür anfällig, sobald sie zu oberflächlich injiziert werden; einzelne Präparate mit einer speziell auf variierende Partikelgrößen ausgelegten Formulierung gelten als etwas weniger anfällig. Die wirksamste Vorbeugung ist Technik, nicht Produktwahl: Injektion knochennah statt oberflächlich. Ist die Verfärbung bereits sichtbar, hilft in leichten Fällen Massage; in den meisten Fällen bleibt nur die Auflösung mit Hyaluronidase.