Lexikon · Klinik
Spätkomplikationen bei Fillern
Migration des Materials und Fremdkörpergranulome — Komplikationen, die Wochen bis Jahre nach der Injektion auftreten und unabhängig vom akuten Gefäßverschluss sind.
Auch: Fillermigration · Fremdkörpergranulom (Filler)
Das BfArM unterscheidet bei Fillerkomplikationen zwei Zeitfenster. Frühkomplikationen treten unmittelbar oder in den ersten Tagen auf: lokale Entzündungen, Ödeme, Hypersensitivitäts- oder allergische Reaktionen sowie die vaskuläre Okklusion. Spätkomplikationen können dagegen erst Wochen bis Jahre nach der Injektion sichtbar werden — vor allem als Migration des Materials und als Granulombildung.
Bei einer Migration bewegt sich das injizierte Material ungewollt vom ursprünglichen Injektionsort weg und lagert sich an anderer Stelle im Körper ab, wo es Schwellungen und Entzündungen auslösen kann. Das erschwert die Diagnose zusätzlich: Die Beschwerden lassen sich dann nicht mehr ohne Weiteres auf eine Fillerinjektion zurückführen, die oft schon lange zurückliegt.
Wie hoch das Risiko für eine Spätkomplikation ausfällt, hängt stark vom Fillermaterial ab. Abbaubare Filler — dazu zählen Hyaluronsäure, Kollagen, Calciumhydroxylapatit und Poly-L-Milchsäure — werden vom Körper innerhalb von maximal zwei Jahren abgebaut. Nicht abbaubare Materialien wie Polymethylmethacrylat (PMMA), Polyacrylamid und Silikon verbleiben dagegen dauerhaft im Gewebe und wirken über Fremdkörperreaktionen, die entsprechend länger anhalten.
Eine Übersichtsarbeit von Rzany (2022) beschreibt zusätzlich drei zeitliche Verlaufsformen immunologischer Reaktionen — akut, subakut und verzögert —, die sich als Schwellung, Abszess oder Knoten zeigen können. Die Behandlung unterscheidet sich je nach Material: Bei Hyaluronsäure-Fillern lässt sich eine solche Reaktion durch Hyaluronidase auflösen. Bei nicht-abbaubaren, permanenten Materialien wie PMMA oder Silikon greift Hyaluronidase nicht — hier kommt bei einer Fremdkörperreaktion stattdessen Methotrexat zum Einsatz.
Eine Lücke, die offen benannt werden muss: Für die Häufigkeit einer Migration selbst liegt keine belastbare Zahl vor. Die einzige in dieser Recherche gefundene Häufigkeitsangabe — ein geschätztes Risiko der arteriellen Okklusion von 1:6.410 pro Milliliter injiziertem Filler — betrifft ausschließlich die akute Gefäßkomplikation, nicht die hier beschriebenen Spätfolgen.