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GLABRIOÄsthetische Medizin und Hautpflege für Männer
  • Beleglage:Studienlage
  • Status:In Deutschland zugelassen

Energiebasierte Verfahren

HIFU-Hautstraffung

Ultraschallenergie erzeugt punktuelle Hitzeherde unter der Haut und soll so straffen, ohne zu schneiden. Die einzige unabhängige Übersichtsarbeit fand für ihre 16 Studien ausschließlich weibliche Teilnehmerinnen.

Auch: HIFU · Hochintensiver fokussierter Ultraschall · Ultherapy · Mikrofokussierter Ultraschall · MFU-V

Wirkprinzip
Ein Handstück bündelt Ultraschallwellen auf einzelne Punkte in festgelegter Tiefe (Zielgewebe: oberflächliche Muskelfaszie, SMAS, sowie tiefere und mittlere Dermisschichten). Dort entstehen punktuelle thermische Koagulationsherde von rund 60 bis 70 Grad Celsius, die Kollagenkontraktion und -neubildung anregen sollen. Ein integriertes Ultraschall-Bildgebungsmodul erlaubt die Sicht auf die Zielschicht vor der Behandlung, unter anderem um Knochen zu meiden.
Körperregion
Augenbraue · Kinn · Hals · Dekolleté · Bauch · Arme · Knie
Sitzungen
Laut Zulassungsunterlagen meist eine Sitzung je Areal; Wiederholung nach individuellem Bedarf, keine feste Herstellervorgabe in den geprüften Zulassungsdokumenten
Ausfallzeit
Rötung mit oder ohne Schwellung nach der Behandlung häufig; die Behandlung selbst gilt laut unabhängiger Übersichtsarbeit als mittelstark schmerzhaft
Wirkdauer
Verbesserung laut unabhängiger Übersichtsarbeit über bis zu ein Jahr nachverfolgt; die Literaturauswertungen zu den Erweiterungen auf Bauch, Arme (FDA-Freigabe 2025) und Knie (FDA-Freigabe 2026) maßen sichtbare Verbesserungen bis 180 Tage nach Behandlung
Hauptrisiko
Seltene, aber teils bleibende Nervenirritation (Taubheit, Überempfindlichkeit) sowie in Einzelfällen Verbrennungen oder Gewebeeinziehungen (Striae) laut unabhängiger Übersichtsarbeit

Ungeeignet, wenn: starke Hauterschlaffung oder ausgeprägte Fettansammlung vorliegt — dafür ist das Verfahren laut Herstellerangaben nicht ausgelegt, hier kommen eher chirurgische Verfahren infrage; ebenso bei aktiven Hautinfektionen oder offenen Wunden im Behandlungsareal, bei Schwangerschaft sowie bei implantierten elektronischen Geräten im Behandlungsfeld (laut Herstellerangaben).

Ein Gerät, immer neue Areale

Unter dem Markennamen Ultherapy erhielt das erste Gerät dieser Geräteklasse am 11. September 2009 die grundlegende US-Zulassung für das Anheben der Augenbraue — im sogenannten De-Novo-Verfahren, weil es keine vergleichbare Vorgängertechnik gab (FDA-Freigabeakte DEN080006). Seither wurde die Zulassung in mehreren weiteren 510(k)-Verfahren schrittweise um zusätzliche Areale erweitert, laut FDA-Zulassungsdatenbank unter anderem 2012 und 2014 um Hals, Bereich unter dem Kinn und Dekolleté-Linien. Zuletzt kamen zwei weitere Erweiterungen hinzu: am 24. Februar 2025 Bauch, Ober- und Unterarme (510(k)-Freigabe K243035), und am 21. Mai 2026 — bislang nirgends auf dieser Seite verarbeitet — zusätzlich die Knie (510(k)-Freigabe K260618).

Beide jüngsten Erweiterungen stützen sich, anders als die ursprüngliche Zulassung, nicht auf eine eigens durchgeführte Herstellerstudie, sondern auf eine Literaturrecherche: Die Bauch-/Arm-Freigabe von 2025 nennt sieben identifizierte klinische Studien mit insgesamt 167 ausgewerteten Personen (54 zum Bauch, 113 zu den Armen); die Knie-Freigabe von 2026 nennt drei Studien mit zusammen 44 Personen, ergänzt um vom Hersteller eingeholte Praxisdaten behandelnder Ärzt:innen sowie eine Auswertung der Post-Market-Überwachung, die laut FDA-Unterlagen keine orthopädischen Komplikationen (Gelenk-, Muskel- oder Sehnenschäden) im Knie zeigte. Keine der beiden Freigabeunterlagen gibt eine Geschlechterverteilung der ausgewerteten Personen an. In Deutschland ist das Gerät als CE-gekennzeichnetes Medizinprodukt der Klasse IIb für die ärztliche Anwendung erhältlich.

Was die unabhängige Übersichtsarbeit zeigt — und wen nicht

Die bislang gründlichste unabhängige Aufarbeitung der Studienlage zur Gesichtsbehandlung mit mikrofokussiertem Ultraschall (Contini et al. 2023, International Journal of Environmental Research and Public Health) wertete 16 für die qualitative Analyse geeignete Studien aus. Ihr zentraler Befund zur Wirksamkeit: Bei gepoolter Betrachtung zeigten 92 Prozent der Behandelten eine Verbesserung von Hautstraffung und/oder Faltenreduktion, mit objektiv gemessenen Effekten von 0,47 bis 1,7 Millimetern Anhebung an der Augenbraue und einer Verringerung der Submentalfläche um 26 bis 45 Quadratmillimeter — Effekte, die die Autor:innen bis zu einem Jahr nachverfolgten.

Der entscheidende Nebenbefund für dieses Magazin steht im Limitationsabschnitt derselben Arbeit: Alle 16 eingeschlossenen Studien untersuchten ausschließlich weibliche Patientinnen. Die Autor:innen benennen das selbst als Einschränkung und empfehlen ausdrücklich, dass künftige Studien männliche Patienten einschließen sollten. Für Männer gibt es nach dieser Übersichtsarbeit damit keine einzige in die Analyse eingegangene Studie — nicht wenige, sondern keine.

Nebenwirkungen laut derselben Übersichtsarbeit: Am häufigsten vorübergehende Rötung mit oder ohne Schwellung. Seltener (rund 2 Prozent): Missempfindungen wie Taubheit oder Überempfindlichkeit, Blutergüsse, Stechen, in Einzelfällen Verbrennungen im Bereich des Unterkiefers sowie sichtbare Gewebeeinziehungen (Striae) und Kontaktdermatitis. Die Behandlung selbst gilt als mittelstark schmerzhaft und wird häufig mit örtlicher Betäubung durchgeführt.

Zwei neuere Erweiterungen, keine davon mit eigener Herstellerstudie

Weder die Bauch-/Arm-Erweiterung von 2025 noch die Knie-Erweiterung von 2026 beruhen auf neuen, vom Hersteller selbst durchgeführten klinischen Studien. Beide Male akzeptierte die FDA stattdessen eine Literaturauswertung bereits bestehender Arbeiten als ausreichenden Beleg für Sicherheit und Wirksamkeit im Vergleich zum Vorgängergerät — bei der Knie-Erweiterung zusätzlich gestützt auf herstellerseits eingeholte Praxisdaten und eine Auswertung der weltweiten Post-Market-Überwachung. Für beide Erweiterungen gilt: keine unerwarteten oder schweren Nebenwirkungen laut FDA-Unterlagen, aber auch keine Angabe zur Geschlechterverteilung der ausgewerteten Personen. Die aus der unabhängigen Übersichtsarbeit von 2023 bekannte Lücke lässt sich damit für beide neueren Indikationen weder bestätigen noch widerlegen, nur nicht schließen.

Einordnung

Anders als beim Fadenlifting oder der elektromagnetischen Muskelstimulation existiert bei HIFU-Geräten dieser Klasse zumindest eine unabhängige, nicht herstellerfinanzierte systematische Übersichtsarbeit mit einem konkreten, gepoolten Wirksamkeitsbefund. Was fehlt, ist nicht der Beleg für Wirksamkeit an sich, sondern jeder Beleg dafür, dass dieser Befund auf Männer übertragbar ist: Die zugrundeliegenden 16 Studien schlossen laut den Autor:innen selbst ausschließlich Frauen ein, und auch die beiden neuesten, 2025 und 2026 zugelassenen Indikationserweiterungen liefern dazu keine Angabe. Wer sich als Mann für eine Behandlung entscheidet, tut das auf Basis einer Wirksamkeitslage, die bislang schlicht nicht an ihm gemessen wurde.

Zu Mengen und Preisen macht dieser Eintrag bewusst keine Angabe: Es gibt dafür keine belastbare öffentliche Datenquelle für den deutschen Markt.